Benutzerprofile umziehen mit dem User State Migration Tool (USMT) 4.0

    User ProfilesWindows 7 erlaubt ein direktes Upgrade nur von Vista und das auch nur in bestimmten Konstellationen. Auch der Wechsel von Windows 7 32-Bit auf 64-Bit erfordert eine Neuinstallation. Im Firmenumfeld ist zudem ein in-Place-Update unüblich, weil eine frische Installation zu stabileren und besser wartbaren Systemen führt. Allerdings möchten die Benutzer nach der Umstellung auf Windows 7 ihre Einstellungen und Daten wieder vorfinden. Das User State Migration Tool (USMT) ist Microsofts Tool für den Umzug der User-Profile.

    Neben dem "Replace"-Szenario, bei dem ein PC durch ein neues oder anderes Gerät ersetzt wird, ist der "Refresh" eines XP-Rechners ein häufig praktiziertes Vorgehen bei der Windows-7-Migration. Im ersten Fall erfolgt die Installation normalerweise auf eine leere Festplatte und die Daten des Benutzers müssen vom alten PC ins Netz gesichert und von dort auf die neuen Maschine wiederhergestellt werden.

    Bei der zweiten Variante lässt sich Windows 7 auf der Partition einer vorhandenen Installation einrichten. Das Verzeichnis des alten Windows wird dabei vom Setup in Windows.old umbenannt, das neue Betriebssystem erhält wie gewohnt den Windows-Ordner. Dabei bleiben die vorhandenen Anwendungen ebenfalls auf der Strecke. Diese werden zwar nicht gelöscht, sind aber in der neuen Installation nicht mehr verfügbar und müssen neu eingerichtet werden.

    Hard Link Migration ohne Kopierorgie

    Bei den Daten und Einstellungen der Benutzer muss man aber nicht von ganz vorne anfangen. Ein nützlicher Helfer bei ihrer Migration ist das User State Migration Tool (USMT), das in der Version 4.0 als Teil des Windows AIK kostenlos von Microsofts Website heruntergeladen werden kann. Ein neues Feature des USMT 4.0 ist die Hardlink-Migration.

    Es kommt beim Refresh zum Einsatz und verzichtet darauf, die Benutzerprofile zwischen den Windows-Installationen zu kopieren, sondern schreibt nur die Dateipfade um und muss die Daten selbst nicht bewegen. Aufgrund dieser Funktion eignet sich das USMT besser für dieses Szenario als das Consumer-Tool Easy Transfer, das sich vor allem empfiehlt, um die Benutzerprofile von einem alten auf einen neuen PC zu übernehmen.

    Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Tools besteht darin, dass man das USMT nur über eine Kommandozeile steuern kann. Es eignet sich daher auch für die Automatisierung einer Migration von vielen PCs. Während Easy Transfer die interaktive Auswahl aller Dateien zulässt, die übernommen werden sollen, müssen beim USMT umgekehrt alle nicht mehr benötigten Daten mittels XML-Konfigurationsdateien ausgeschlossen werden.

    Zwei Kommandozeilen-Tools: scanstate und loadstate

    Die eigentliche Arbeit leisten beim USMT 2 Programme, scanstate und loadstate. Ersteres liest die Benutzerprofile von einem vorhandenen Windows in einen Speicher ein, Zweiteres schreibt sie von dort in das neue Windows zurück. Beide existieren in Ausführungen für x86 und amd64. Typischerweise installiert man das Windows AIK auf einem Admin-PC und kopiert das USMT auf einen USB-Stick, von dem man die Tools auf dem Zielrechner startet.

    Alte Profile erfassen

    Der Aufruf von scanstate, der mittels Hardlink-Migration die Benutzerdaten von einer vorhandenen Windows-Installation in einen USMT-Store überträgt, sieht etwa so aus:

    scanstate c:\store /offlineWinDir:c:\windows.old\windows /o /c
    /hardlink /nocompress /i:MigApp.xml /i:MigUser.xml /i:MigDocs.xml

    Die Schalter /o und /c bedeuten, dass ein eventuell vorhandener USMT-Speicher überschrieben und bei einem nicht kritischen Fehler fortgefahren wird. Die Hardlink-Migration verträgt sich nicht mit dem Komprimieren des Speichers, so dass die beiden Optionen kombiniert werden. Die Angabe unter offlineWinDir schließlich gibt den Ort der alten Windows-Installation an, aus der sich scanstate bedienen soll. Zusätzlich kann man über den Schalter /i eventuell benötigte XML-Konfigurationsdateien angeben. Das Tool bietet noch mehrere zusätzliche Schalter, etwa um den Speicher zu verschlüsseln.

    Benutzerdaten in die Zielinstallation schreiben

    Wenn Windows 7 inklusiver aller benötigten Anwendungen installiert ist, können die Einstellungen aus dem USMT-Store dorthin zurückgeschrieben werden. Dazu bedarf es eines Aufrufs von loadstate:

    loadstate c:\store /c /lac /lae /hardlink /nocompress

    Der Schalter /c ("continue") hat die gleiche Bedeutung wie bei scanstate. Die Optionen /lac (local account create) und /lae (local account enable) bewirken, dass lokale Benutzerkonten eingerichtet und aktiviert werden. Wird bei /lac kein Passwort angegeben, kann sich der Benutzer ohne Kennwort anmelden. Das Tool bietet zusätzlich eine Fülle weiterer Optionen, mit denen sich auch die Profile von Domänenbenutzern übernehmen lassen. Detaillierte Filter können auch hier über XML-Dateien definiert werden.

    Was bleibt auf der Strecke?

    Wie erwähnt, zieht das USMT keine Applikationen um. Aber auch die Einstellungen für die bisher installierten Anwendungen unterliegen gewissen Einschränkungen. So müssen die Programmversionen in der Quell- und Zielinstallation genau übereinstimmen.

    Die mit dem Windows AIK gelieferte MigApp.xml unterstützt außerdem nur eine relativ kurze Liste der gängigsten Anwendungen. Wenn eine größere Zahl von PCs umgestellt werden soll, dann lohnt es sich indes, die Registrierschlüssel und Dateiangaben auch für andere Programme nachzutragen.

    Darüber hinaus werden unter anderem folgende wesentliche Einstellungen nicht übernommen:

    • Zuordnungen zu Netzlaufwerken
    • lokale Drucker
    • Hardware-Einstellungen
    • Treiber
    • Passwörter
    • Berechtigungen für freigegebene Ordner

    Aus der persönlichen Arbeitsumgebung bleiben selbst gewählte Verknüpfungs­symbole auf der Strecke, die Taskbar-Einstellungen gehen bei einer Win7-zu-Win7-Umstellung jedoch mit.

    1 Kommentar

    Bild von Martin Zuckermandel
    24. Juni 2010 - 10:55

    Super Artikel.
    Danke!

    War ne gute Zusammenfassung für die 70-686.