Veeam Endpoint Backup im Test: kostenlose Datensicherung für Windows

    Veeam Endpoint BackupVeeam bringt eine kostenlose Backup-Software auf den Markt, die physi­kalische Installationen von Windows auf dem Client und dem Server sichert. Sie erfüllt alle wesentlichen Anforder­ungen für kleinere Firmen und private Anwender. Dazu zählen die Wiederherstellung einzelner Dateien oder des ganzen Systems sowie die Unterstützung für mehrere Backup-Strategien.

    Innerhalb weniger Jahre hat sich Veeam zu einem der führenden Anbieter von Backup-Software für VMware und Hyper-V gemausert. Alteingesessene Anbieter weisen jedoch gerne darauf hin, dass sie zusätzlich auch physikalische Systeme sichern können. Veeam tut nun einen ersten Schritt in diesen Markt, der angesichts zunehmender Virtualisierung jedoch an Bedeutung verliert. Offen bleibt derzeit noch, ob aus Endpoint Backup irgendwann ein Produkt für den Enterprise-Einsatz werden soll.

    Alternative zu Windows-eigenem Backup

    In jedem Fall schließt Veeam mit seiner kostenlosen Lösung für Einzel-PCs eine Lücke, die zwischen dem unzureichenden Windows-eigenen Backup und leistungsfähigeren kostenpflichtigen Produkten klafft. Die Defizite der Bordmittel zeigen sich sowohl unter Windows 7 mit seiner inkonsistenten Software für die Sicherung von Systemabbildern und Benutzerdateien als auch unter Windows 8.x, wo das System-Backup durch den separaten Dateiversionsverlauf ergänzt wird.

    Im Vergleich zur Windows-eigenen Datensicherung bietet Veeam Endpoint Backup folgende Vorteile:

    • Eine einheitliche Lösung für das Sichern und Wiederherstellen des gesamten Systems und einzelner Dateien
    • Unterstützung für Client und Server, während Microsoft dafür zwei verschiedene Tools anbietet
    • Kombination aus vollem und inkrementellem Backup, während das Programm von Windows 7/8.x nur die ursprüngliche Komplettsicherung laufend aktualisiert.
    • Weniger Speicherverbrauch durch Komprimierung der Backup-Dateien
    • CD/DVD, ISO-Abbild, USB-Stick oder SD-Card als Wiederherstellungs­datenträger, während Windows 7 nur eine CD/DVD und Windows 8.x bloß USB-Sticks akzeptiert.

    Einfache Installation und Bedienung

    Aufgrund der vorgesehenen Zielgruppe für die Software, die neben kleinen Firmen auch private User umfasst, wollte Veeam die Benutzung möglichst einfach gestalten. Das gelang auch bei der Gestaltung der Bedienerführung, die minimalistisch ausfällt und die wichtigsten Funktionen über ein Applet im System-Tray zur Verfügung stellt.

    Die wichtigsten Befehle sind über das Applet im System-Tray zugänglich.

    Der Einstieg erfolgt über ein Setup, das vom Anwender kaum Eingaben erfordert und SQL Server 2012 Express LocalDB Edition ohne Rückfragen einrichtet. Im Zuge der Installation kann man über einen Wizard gleich ein Medium zur Wiederherstellung des Systems erzeugen.

    Das Setup bietet gleich das Einrichten eines Wiederherstellungsdatenträgers an, zur Wahl stehen USB-Sticks, CDs oder ISO-Dateien

    Will man dies später nachholen, dann ist dafür ein eigenes Tool zuständig, das sich nicht aus dem Tray-Applet oder dem Control Panel starten lässt, sondern das man auf der Startseite von Windows 8.x suchen muss.

    Unklare Wahl der Backup-Modi

    Die überschaubare Bedienerführung inklusive Wizards kann dem Anwender aber eine Auseinandersetzung mit der Funktionsweise der Software und den daraus resultierenden Backup-Optionen nicht ersparen. Und diese ist in einigen Punkten nicht ganz konsistent und offensichtlich.

    Bei der Konfiguration eines Backup-Jobs stehen 3 Modi zur Auswahl, deren Funktionen sich weitgehend überschneiden.

    Dazu zählt in erster Linie das Angebot von 3 Sicherungsmodi, die einer ähnlichen Logik folgen wie beim Backup von Windows 7. Veeam Endpoint Backup unterscheidet nämlich ebenfalls zwischen der Sicherung eines Systemabbilds und ausgewählten Dateien bzw. Verzeichnissen. Dazwischen existiert noch ein Backup für einzelne Volumes.

    Diese Trennung hätte durchaus ihre Berechtigung, wenn man etwa einen Backup-Job für die tägliche Sicherung der Benutzerdateien und einen weiteren für eine wöchentliche Gesamtsicherung des Systems anlegen könnte. In der aktuellen Ausführung erlaubt die Software aber nur das Konfigurieren eines einzigen Jobs, so dass man sich ausschließlich für einen Modus entscheiden muss.

    Starke Überschneidung zwischen den Backup-Modi

    Verwirrend ist dabei jedoch, dass sich Entire Computer, Volume Level Backup und File Level Backup so weit überlappen, dass sich jeder Modus für alle Zwecke nutzen lässt. So heißt es zwar im User Guide von Veeam, dass File-Level-Backups nicht für ein Bare-Metal-Restore geeignet wären.

    Wählt man beim File-Level-Backup alle Volumes und das Betriebssystem aus, dann entspricht es der Variante 'Entire Computer'.

    Wenn man jedoch bei der Konfiguration der dateibezogenen Sicherung ganze Volumes auswählt und zusätzlich die Option Operating System ankreuzt, dann taucht das Backup als Restore Point für die Wiederherstellung des gesamten Systems auf.

    Ähnlich sieht es mit dem Volume Backup aus, wenn man dort die Checkbox Show system and hidden volumes aktiviert und danach alle Partitionen auswählt. Auch dies führt zu einer vollständigen Systemsicherung, die sich über ein Bare-Metal-Recovery zurückspielen lässt.

    Auch das Volume-Level-Backup lässt sich als Sicherung des gesamten Systems konfigurieren.

    Die Modi Volume bzw. File Level Backup sind somit primär dann interessant, wenn man beispielsweise nur Benutzerverzeichnisse oder Daten-Volumes sichern möchte und ein Disaster Recovery nicht benötigt.

    Umgekehrt beschränkt sich die Sicherung des gesamten Systems mit Entrire Computer nicht darauf, dieses im Fall eines Hardware-Defekts als Ganzes wiederherzustellen. Vielmehr lassen sich auch diese Images mounten, so dass man anschließend einzelne Dateien extrahieren kann.

    Laufende Sicherungen nur inkrementell

    Wenn man wie die meisten Anwender in der Lage sein möchte, einen PC nach einem Defekt vollständig wiederherzustellen, dann kann man sich somit auf die Option Entire Computer beschränken. Eine automatische tägliche Sicherung des gesamten Systems ist unproblematisch, weil Veeam nach einem ersten Full Backup nur mehr inkrementelle Sicherungen anlegt, die wenig Zeit und Speicherplatz beanspruchen.

    Das Control Panel zeigt die vorhandenen Restore Points, wobei die vollen und inkrementellen Backups leicht zu erkennen sind.

    Die Strategie, nach der ersten Vollsicherung nur mehr Änderungen zu speichern, beruht darauf, dass nach dem Erreichen der maximalen Restore Points das älteste inkrementelle Backup in das Full Backup integriert und anschließend gelöscht wird. Damit bleibt die Zahl der Restore Points konstant, sie lässt sich durch den Benutzer konfigurieren.

    Automatische, manuelle und Event-gesteuerte Backups

    Dieses Verfahren, das ein vollständiges mit laufenden inkrementellen Backups kombiniert und eine definierbare Zahl von Restore Points aufbewahrt, gilt für alle drei Modi. Sämtliche Backup-Jobs lassen sich dabei entweder zeitgesteuert oder manuell starten. Wenn ein Benutzer ein Backup explizit anstößt, dann kann er sich bei Bedarf auch für eine Vollsicherung entscheiden.

    Automatische Backups können zeitgesteuert oder durch bestimmte Ereignisse ausgelöst werden.

    Neben dem zeitgesteuerten und manuellen Backup erlaubt Veeam auch den Start von Jobs abhängig von bestimmten Events. Dazu gehört das Sperren des Bildschirms, das Abmelden des Benutzers oder das Anschließen eines Wechseldatenträgers.

    Wiederherstellung

    Abhängig vom ausgeführten Sicherungsmodus und den verlorenen bzw. beschädigten Objekten kennt Veeam zwei Formen der Wiederherstellung. Dabei handelt es sich um das Disaster Recovery und das Zurückspielen von ausgewählten Dateien und Verzeichnisse. Letzteres ist unabhängig davon möglich, in welchem Modus das Backup erstellt wurde.

    Wenn man den Befehl Restore => Individual Files im Tray-Icon ausführt und den Wizard vollständig durchläuft, dann wird die Sicherung über einen von Veeam gelieferten Treiber standardmäßig unter dem Verzeichnis c:\VeeamFLR gemountet. Dort kann man mit dem mitgelieferten Backup Browser oder dem Windows Explorer durch das Image navigieren und ausgewählte Dateien zurücksichern.

    Das Backup-Image lässt sich in das lokale Dateisystem mounten, um einzelne Dateien oder Verzeichnisse wiederzuherstellen.

    Müssen Systempartitionen inklusive der Windows-Installation wiederher­gestellt werden, dann erfordert das den Start des PCs von einem Notfalldatenträger. Diesen kann man wie erwähnt auf verschiedenen Medien erstellen. Er enthält neben dem Tool für Bare-Metal-Restore auch Windows RE sowie Programme für das Troubleshooting, darunter eines zum Passwort-Reset des lokalen Administratorkontos.

    Das Wiederherstellungsmedium bootet ein WinRE, aus dem sich eine gesamte PC-Installation restaurieren lässt.

    Möchte man dagegen nur Daten-Volumes restaurieren, dann geht das online und ohne Start des Systems von einem externen Datenträger. Zu diesem Zweck wählt man im Tray-Applet den Befehl Restore => Entire Volumes aus. Anschließend besteht die Möglichkeit, das vom angezeigten Disk Mapping abzuweichen und das gesicherte Volume an einen anderen Ort zurückzuspielen.

    Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

    Veeam Endpoint Backup erfordert mindestens Windows 7 SP1 (32 und 64 Bit) oder Server 2008 R2 SP1. Das .NET Framework 4 sowie die LocalDB Edition von SQL Server werden vom Setup automatisch installiert.

    Als Ziele für das Backup stehen derzeit lokale Laufwerke, Netzfreigaben sowie B&R-Repositories zur Auswahl.

    Als Backup-Ziele sind lokale Laufwerke oder Freigaben im Netzwerk zulässig, außerdem kann man Repositories von Veeam Backup & Replication verwenden. Die aktuelle Version unterstützt keine Bandlaufwerke, auch wenn einiges dafür spricht, dass sich das noch ändern könnte. So kann bereits die Free Edition von Veeam Backup & Replication Bänder lesen, die mit NTBackup erstellt wurden. Zudem finden sich im Programmverzeichnis von Endpoint Backup mehrere DLLs, die tape in ihrem Namen tragen.

    Veeam Endpoint Backup liegt derzeit in einer öffentlichen Betaversion vor, die man nach einer Registrierung und ein paar Tagen Wartezeit bekommen kann. Die Freigabe der endgültigen Version soll im 1. Quartal 2015 erfolgen. Die Software ist kostenlos und bedarf keiner Installation eines Lizenzschlüssels.

    11 Kommentare

    Bild von walter
    walter sagt:
    19. Dezember 2014 - 16:58

    Danke für den Bericht. Mich würden auch erste Erfahrungswerte interessieren.

    Bild von Julian
    Julian sagt:
    19. Dezember 2014 - 20:52

    Sehr interessanter Bericht. Mich würde noch interessieren ob die Möglichkeit besteht, dass ich meine User Clients über das Netz von einem Server aus zeitgesteuert sichern kann. Beispielsweise jeden Tag um 14 Uhr mittags, wenn meine Anwender am Rechner arbeiten. Sodass der Endanwender davon gar nichts mitbekommt und ich die Backup files dann auf meinem Server liegen habe.

    Bild von Wolfgang Sommergut
    20. Dezember 2014 - 14:27

    Veeam Endpoint Backup ist eine Einzelplatzlösung und lässt sich nicht zentral verwalten. So ist es zwar möglich, dass alle Clients zu einem definierten Zeitpunkt auf ein Netzlaufwerk gesichert werden. Aber einstellen muss man das auf jedem Rechner separat.

    Bild von Peter
    Peter sagt:
    21. Januar 2015 - 18:27

    Hi,
    toller Bericht Wolfgang...

    Kann man mit der der Software auch einen Bar-Metall-Restore auf neuer Hardware durchführen?
    Wie kommen denn die Treiber für das neue Mainbord dann in die Windows.Installation?

    Auf jedenfall ein super Programm.
    Wir jetzt Veeam Backup & Reputation V8 ein.

    Gruss Peter

    Bild von Wolfgang Sommergut
    21. Januar 2015 - 21:12

    Hallo Peter, ja man kann eigene Treiber für Storage und Netzwerk in den Wiederherstellungsdatenträger integrieren (siehe zweiten Screenshot).

    Bild von Peter
    Peter sagt:
    21. Januar 2015 - 22:47

    Das ist ja super, dann kann man damit wirklich einen Bare-Metall-Restore-USB-Stick erstellen. Sogar im Nachhinein wenn der Server schon hin ist und der neue Server mit allen Treibern da steht.

    Echt super...

    Muss ich einmal durchtesten, wenn ich etwas Zeit habe.

    Aber da scheint mir Veeam wieder einmal ein super Programm entwickelt zu haben und das noch für umsonst... Da werden die den Backup-Markt aber aufrürtteln und da muss sich mancher Hersteller (Arconis, usw.) warm anziehen. ((o;

    Der bessere möge gewinnen.

    Gruss der Peter

    Bild von Roman
    Roman sagt:
    27. Januar 2015 - 21:23

    Gute idee aber leider noch nicht so gut umgesetzt zb. Ist mir aufgefallen das verpasste backup zeiten nicht nachgeholt werden, dann habe ich eingestellt at lock und backup 1 mal am tag die werden gar nicht ausgeführt nur wenn eine zeit angegeben wird.

    Bild von Lukas
    Lukas sagt:
    18. Februar 2015 - 20:12

    Hallo,

    Haben veeam endpoint backup bei 3 clients seit 14 tagen im einsatz, die sicherung an sich klappt perfekt jedoch ärgert mich dass nach der gesamt sicherung die inkrementielle sicherung nochmal große datenmengen produziert ohne dass diese datenmengen tatsächlich erstellt wurden. Bei allen drei geräten sichern wir nur die systemfestplatte wo keine daten gespeichert werde.

    Zb full backup 68 gb und dann jeden weiteren tag 1-2 gb inkrementiell.

    Hat hierzu jemand ähnliche erfahrungen. Oder versteht jemand von euch warum die ink. Sicherungen dementsprechend groß sind.

    Bild von Holger
    Holger sagt:
    20. Februar 2015 - 6:27

    Anscheinend schaut Veeam Backup nach geänderten Dateien und nicht nur nach geänderten Blöcken. Damit steigt natürlich die Datenmenge. Ich habe 3 VirtualBox VMs auf dem Rechner, die ich nur einmal hoch- und wieder heruntergefahren habe. Die wurden dann inkrementell komplett neu gesichert (> 100GB). Für mich ist das Tool nicht das Richtige, solange es nicht blockweise inkrementell sichert.

    Bild von Peter
    Peter sagt:
    19. Juni 2016 - 17:50

    Moin Wolfgang,

    wir sichern seit einigen Monaten mit Veeam Endpoint Backup unsere physischen 5 Server. Letzt Woche ist ein Exchange Server gestoben und wir konnten mit dem Recovery medium auf einem Ersatzserver in 2 Stunden den Server wieder zur Verfügung stellen. Echt Top das Programm.

    Ich hätte da jetzt eine Frage.

    Wir setzen auch Veeam Backup & Repliaction 9 ein und würden jetzt gerne die alten physischen Server in die HyperV-Umgebung holen. Kann das damit funktionieren oder wie würdest du die alten Server in die Hyper-V Umgebung überführen ? Die alten physischen Server sind 3 Jahre alt und laufen alle fehlerfrei.

    Gruss Peter

    Bild von Marcel Küppers
    20. Juni 2016 - 8:12

    Hi,

    was heißt denn:

    Wir setzen auch Veeam Backup & Repliaction 9 ein und würden jetzt gerne die alten physischen Server in die HyperV-Umgebung holen.

    Wenn Du eine P2V Migration meinst, schau mal nach Disk2vhd von Sysinternals:

    https://technet.microsoft.com/en-us/sysinternals/ee656415.aspx?f=255&MSPPError=-2147217396

    https://www.windowspro.de/tool/p2v-disk2vhd-20-erfasst-physikalische-laufwerke-als-vhdx

    Nicht vergessen nach der Migration eine Bereinigung der Maschinen durchzuführen. Außerdem immer überlegen, ob eine P2V Migration wirklich lohnt.

    Gruß,
    Marcel