Vergleich: Windows 10 Hyper-V, VMware Workstation 11 und VirtualBox 5

    Hyper-V, VMware Workstation und VirtualBox im VergleichDie drei wichtigsten Hypervisor für den Desktop liegen seit Kurzem in neuen Versionen vor. Nach­dem die VMware Workstation als funktions­reichstes Produkt nur wenige Neuerungen erhält, können Hyper-V und VirtualBox etwas Boden gut machen. Hyper-V holt seinen Rückstand bei der Bediener­freund­lichkeit jedoch nicht auf.

    Der häufigste Grund für das Update der Virtualisierer sind Änderungen in den Plattformen, die als Host oder Gast unterstützt werden. Aktuell erforderte Windows 10 einige Anpassungen dieser Tools. Hyper-V als Komponente des Microsoft-Betriebssystems marschiert zwangsläufig im Gleichschritt mit dem neuen OS, während Drittanbieter meistens etwas hinterherhinken.

    Bessere Unterstützung von Windows 10

    Das zeigt sich bereits unter der Windows 10 Tech Preview, die der Workstation 10 und VirtualBox 4.x eine Reihe von Problemen bereitete, darunter lange Installationszeiten und Konflikte mit den Guest Additions.

    Diese Situation hat sich mit den neuen Releases deutlich verbessert, sowohl die Workstation als auch VirtualBox bieten Windows 10 in der Auswahl der Gastsysteme an (Oracle unterstützt es aber im Moment noch nicht offiziell).

    Die VirtualBox 5 enthält nun auch Windows 10 in der Liste der Gastsysteme.

    Die Neuerungen in der VMware Workstation 11 gehen jedoch kaum darüber hinaus, den Support für die unterstützten Plattformen zu erweitern. Davon profitieren neben Windows 10 auch diverse Linux-Distributionen. Hinzu kommt nun die Kompatibilität mit aktueller Hardware, etwa den neuesten CPUs von Intel (Haswell, Broadwell) und AMD (Jaguar, Steamroller).

    Hyper-V primär mit Neuerungen für den Server

    Die längste Liste an neuen Features weist Windows 10 Hyper-V auf, wobei viele davon nur Änderungen nur unter der Haube brachten und in der Praxis keine große Bedeutung haben. Dazu zählen etwa ein neues binäres Dateiformat für die VM-Konfiguration oder die Umstellung der Kommunikation zwischen Hypervisor und Hyper-V Manager auf WinRM.

    Andere Neuerungen sind klar durch die Anforderungen auf dem Server inspiriert und haben auf dem Client ebenfalls keine so große Relevanz. Dazu zählt das Hinzufügen von vRAM und vNICs zu VMs im laufenden Betrieb, mit dem sich die Verfügbarkeit von Anwendungen erhöhen lässt. Dennoch handelt es sich beim Hot-add von virtueller Hardware um kein Alleinstellungs­merkmal von Hyper-V, auch die VMware Workstation beherrscht diese Funktion. Nur VirtualBox muss hier passen.

    Hot-add von vRAM beherrscht die VMware Workstation schon länger.

    Production Snapshots, eine weitere Neuerung von Hyper-V in Windows 10, sollen das Risiko von Upgrades für kritische Anwendungen reduzieren. Schlägt ein solches fehl, dann kann man die VM auf den alten Stand zurückrollen. Microsoft riet in der Vergangenheit von einer solchen Anwendung für Prüfpunkte ab, während VMware den kurzfristigen Einsatz von Snapshots in produktiven Umgebungen vorsah. Aber auch hier zeigt sich der Nutzen primär am Server.

    Usability-Vorteile für VirtualBox und die Workstation

    Am Client dagegen, wo auch das Remote-Management per PowerShell Direct keine so große Rolle spielt, kommt es dafür stärker darauf an, dass sich VMs gut in das Host-System integrieren und komfortabel zu bedienen sind. Hier zeigt Hyper-V als Abkömmling eines Server-Hypervisors weiterhin die altbekannten Schwächen, etwa beim rudimentären Support von USB-Geräten oder dem fehlenden Drag and Drop zwischen Gast und Host.

    VirtualBox 5.0 unterstützt Drag and Drop zwischen Gast und Host nun auch mit anderen Systemen als Windows.

    Hier holt VirtualBox 5 weiter auf, nachdem es bisher den Dateitransfer durch Ziehen mit der Maus nur unter Linux unterstützte. Dieses Feature ist jetzt auch für Windows verfügbar, wobei es aber per Voreinstellung abge­schaltet ist. Die Workstation bietet dieses Feature schon seit etlichen Versionen.

    Verschlüsselte VMs nur in VirtualBox und Workstation

    Ähnliches gilt für die Verschlüsselung von VMs, die VMware seit der Workstation 9 beherrscht und die VirtualBox nun nachholt. Beide Produkte laufen auf mehreren Plattformen, so dass eine einheitliche Technik zum Schutz von VMs deren Portabilität wahrt. Bei der Verwendung von Bordmitteln des Host-Systems wäre diese nicht mehr gegeben.

    Nach wie vor ein exklusives Merkmal der Workstation bleibt die Virtualisierung von Intel-VTx und AMD-V. Sie erlaubt es, einen Hypervisor in einer VM auszuführen. Microsoft hat dieses Feature für Windows Server 2016 Hyper-V angekündigt, aber es gibt keine Aussagen darüber, ob es der Hersteller auch auf die Client-Version portieren will.

    Detailverbesserungen

    VMware beschränkte sich in der Workstation 11 auf kleine Verbesserungen wie die Konfiguration von BIOS und UEFI über die GUI oder die explizite Zuteilung von RAM für die Grafik (was VirtualBox schon länger kann). Wer sich die Rückkehr der Videoaufzeichnung erhofft hatte, der wird jedoch enttäuscht.

    Der Wizard für neue VMs lässt in der Workstation 11 die Wahl zwischen BIOS und UEFI. Diese Einstellung kann man später ändern.

    Kleinere Neuerungen, die den Einsatz der Software vereinfachen, gibt es auch von Hyper-V zu vermelden. Dort kann sich der Hyper-V Manager nun mehrere Anmeldedaten für verschiedene Hosts merken. VirtualBox 5 bietet seinerseits nun eine GUI-Option, um eine VM in den Headless Mode zu wechseln.

    Funktionen im Vergleich

      Windows 10 Hyper-V VMware Work­station 11 Virtual­Box 5.0
    Typ Bare Metal Hosted Hosted
    CPU-Voraus­setzungen 64-Bit-CPU mit Second Level Address Translation (SLAT) 64-Bit-CPU, Intel VT-x oder AMD-V für 64-Bit-Gäste 64-Bit-CPU, Intel VT-x oder AMD-V für 64-Bit-Gäste
    vCPU pro VM 64 16 128
    RAM pro VM 1TB 64GB 1TB
    Konfiguration von Grafikspeicher nein ja ja
    vNICs pro VM 12 10 36
    Gast-Zugriff auf USB-Geräte sehr eingeschränkt ja (inkl. USB 3.0) ja
    Virtuelle Audio-Geräte nein (Sound über Audio-Umleitung von RDP) ja ja
    UEFI-Emulation Nur in VMs der Generation 2 mit Windows 8.x bzw. Server 2012 (R2) als Gästen. ja ja
    Memory Overcommit Dynamic Memory, in 8.1 auch für Linux-Gäste Page Sharing, Ballooning Memory Ballooning über Kommandozeile
    Verschach­telte Virtuali­sierung Erste Implemen­tierung in Build 10656, limitiert auf neueste Windows-Gäste (Details)ja (ESXi, Hyper-V) nein
    Virtuelle Netzwerke Extern, Intern, Privat NAT, Bridged, Host-only, Custom NAT, Bridged, Intern, Host-only
    Hot-add von vRAM ja ja nein
    Hot-add von vNICS ja ja nein
    Zuordnung von vNICs zu VLANs ja nein nein
    Scripting PowerShell, PowerShell Direct über Host VXI/vmrun VBoxManage, VBoxTool (Linux-Hosts)
    Unterstützte Host-Betriebs­systeme Feature von Windows 10 x64 Pro und Enterprise Windows, Linux (VMware Fusion als eigenes Produkt für Mac OS) Windows, Linux, Mac OS X, Solaris
    Unterstützte Gäste Windows, CentOS, Redhat, SuSE Windows, Linux, FreeBSD, Mac OS X, Netware, Solaris (vollständige Liste) Windows, Linux, Solaris, Mac OS X, OS/2 (vollständige Liste)
    64-Bit-Gäste ja ja ja
    Formate für virt. Laufwerke VHD, VHDX VMDK, VHD VHD, VMDK, VDI, HDD (Parallels), QED (Qemu), QCOW (Qemu)
    Max. Größe für virt. Laufwerke 64 TB (VHDX) 8 TB (mit vHW 10) 2 TB über GUI
    Verschlüs­selung von VMs nein ja ja
    Emulation von SSDs nein ja nein
    Virtuelle Floppy ja ja ja
    SSD Passthrough nein ja ja
    Boot von SCSI Nur VMs der Generation 2 Ja Ja
    OVF-Import von Virtual Appliances nein ja ja
    Import physika­lischer Systeme (P2V) über separate Tools ja manueller Prozess
    Migration von VMs Cold Migration von/zu Hyper-V Server Cold Migration von/zu ESXi und vCenter, HTTP-Streaming zu VMware Workstation Live-Migration zwischen Virtualbox-Hosts
    Storage Live Migration ja nein nein
    Snapshots ja ja ja
    Online Snapshot Merging ja ja ja
    Full Clones Über Live Storage Move ja ja
    Linked Clones ja, manueller Prozess mit Hilfe von differenziellen Disks (Anleitung) ja (Anleitung) ja (Anleitung)
    Fernzugriff RDP VNC, VM-Sharing, HTTPS/HTML5 RDP
    VMs ohne GUI starten (Headless Mode) ja ja (über Kommandozeile) ja
    Copy & Paste zwischen VMs und Host über RDP-Client, über VMConnect eingeschränkt ja ja
    Shared Folder über RDP-Client ja ja
    Drag & Drop zwischen Host und Gast nein ja ja
    Stufenloses Verkleinern und Vergrößern des Gastfensters über RDP 8.x ja ja
    Nahtlose Integration von VM-Anwen­dun­gen in den Host manuell über RemoteApp ja ja
    Video-Mitschnitt der VM-Session nein nein ja

    3 Kommentare

    Bild von Andi
    Andi sagt:
    26. August 2015 - 13:01

    Danke für die tolle Zusammenfassung :)

    Andi

    Bild von OAL
    OAL sagt:
    28. August 2015 - 12:18

    Danke, Super Vergleich :)

    Seit Gestern ist VMware Workstation 12 Pro erhältlich...

    Allerdings hat VMware die Upgradepreise gegenüber Workstation 11 Pro um utopische 68,27% erhöht, da werde ich nicht mehr mitmachen und auf VirtualBox 5 umsteigen.

    Danke VMware, so wird man auch Kunden los...

    OAL

    Bild von Wolfgang Sommergut
    1. September 2015 - 11:09

    Der erhöhte Preis scheint wohl das auffälligste neue Feature der WS 12 zu sein ;-)