VirtualBox 4.0: Extensionen, neue GUI, bessere Hardware-Unterstützung

    Unterstützung für virtuelle MonitoreDie zweite unter der Regie von Oracle veröffentlichte Version von VirtualBox kommt als Major Release daher. Dieses lässt sich durch Zahl der technischen Neuerungen kaum rechtfertigen, aber VirtualBox 4.0 stellt die Weichen neu, was das Verhältnis von Open-Source-Projekt und kommerzieller Verwertung anlangt. Zu diesem Zweck bietet Oracle auch das kompilierte Kernprodukt unter der GPL an und sieht die Möglichkeit vor, dieses über (proprietäre) Plugins zu erweitern. Von den neuen Features ist vor allem die verbesserte Management-Konsole zu erwähnen.

    Bisher setzte Oracle das von Sun eingeführte Lizenz- und Distributionsmodell fort, das VirtualBox in eine Open Source Edition (OSE) und eine proprietäre Ausführung unterteilte. Die OSE-Variante konnte nur in Form des Quellcodes über das CVS-Repository bezogen werden und enthielt die Kernfunktionen des Produkts. Die für alle unterstützten Plattformen zum Download angebotenen Binaries dagegen enthielten zusätzliche Komponenten, die unter der proprietären VirtualBox Personal Use and Evaluation License (PUEL) standen.

    Freies Kernprodukt, proprietäre Funktionen in Extensions

    Das Setup ist nun auch Teil des freien Basisprodukts. Das Installationspaket von VirtualBox 4.0 trägt noch die Signatur von Sun.VirtualBox 4.0 ändert nun diesen Zustand, indem das Kernprodukt auch in binärer Form unter der GPL zum Download verfügbar ist. Zum Open-Source-Kern gehören jetzt auch die Installationsprogramme und die Guest Additions, so dass sich das freie Basisprodukt auch alleine sinnvoll nutzen lässt. Die bis zuletzt fest integrierten proprietären Erweiterungen können nun als Plugins hinzugefügt werden, Oracle spricht in diesem Zusammenhang von Extension Packs.

    Diese Modularisierung erlaubt Oracle oder anderen Entwicklern, den Funktionsumfang von VirtualBox zu erweitern, ohne in lizenzrechtliche Konflikte zu geraten. Nach wie vor benötigen Anwender nämlich für Nutzungsrechte, die über die PUEL hinausgehen, eine proprietäre Lizenz. Wer bisher Code zu VirtualBox beisteuern wollte, konnte das nicht nur unter der GPL tun, sondern musste Sun bzw. Oracle alle für die zweite Lizenz erforderlichen Nutzungsrechte abtreten.

    RDP- und USB-Unterstützung als kommerzielle Option

    Platz für Erweiterungen von Drittanbietern: Die Extensionen sollen VirtualBox neue Funktionen bescheren.Diese Problematik beschränkt sich zukünftig auf das Kernprodukt, das Oracle zum überwiegenden Teil selbst weiterentwickelt. Zusätzliche Funktionen können jetzt als Erweiterungen unter beliebigen Lizenzen angeboten werden. Insgesamt könnte VirtualBox davon erheblich profitieren, wenn Dritte ähnlich wie bei Firefox eine größere Zahl von Extensionen beisteuern.

    Oracle selbst liefert Funktionen, die schon bisher nicht Open Source waren, nun in Form eines Extension Packs. Es handelt sich dabei um Unterstützung für USB-2.0-Geräte, den RDP-Server sowie PXE-Boot für Intel-Adapter. Die lizenzrechtlich motivierte Trennung von Kernprodukt und proprietären Erweiterungen ist jedoch auf der Technikebene noch nicht angekommen.

    Trennung technisch noch nicht vollzogen

    USB-Support lässt sich auch ohne das nötige Extension Pack konfigurieren, er führt dann aber zu Problemen.Installiert man nur die Basis-Software, dann bietet sowohl das Setup als auch die Konfiguration von VMs die Möglichkeit, die Unterstützung für USB-Geräte und den RDP-Server einzurichten. Macht man davon Gebrauch, dann warnt VirtualBox beim Start einer VM vor möglichen Fehlern, die auftreten könnten. Als ich in meinem Test dennoch ein USB-Gerät einer VM zuordnen wollte, stürzte diese ab.

    Bei dieser Gelegenheit zeigte sich, dass VirtualBox so weit modularisiert ist, dass die neue Management-Konsole nach der Beseitigung der abgestürzten VM mit Hilfe des Windows Task-Managers bestehen blieb. Andererseits war sie aber nicht in der Lage, den Status der VM von wird ausgeführt zurückzusetzen, so dass sich die virtuelle Maschine nicht mehr starten ließ.

    Neues Admin-Tool namens VirtualBox Manager

    Der VirtualBox Manager ist eine der wesentlichen Neuerungen der Version 4.0Die Oberfläche zur Steuerung des Typ-2-Hypervisors wurde in der Version 4 gründlich erneuert und hört jetzt auf die Bezeichnung VirtualBox Manager. Sie ist deutlich übersichtlicher als in früheren Versionen und zudem auch optisch ansprechender. Eine Neuerung ist die Anzeige von Thumbnails der VMs, wobei sich die Intervalle zur Aktualisierung der Screenshots einstellen lassen.

    Neu ist auch die Möglichkeit, aus der GUI für einzelne VMs Verknüpfungen auf dem Desktop des Hosts anzulegen, mit denen sie sich direkt starten lassen, ohne dass der VirtualBox Manager angezeigt wird.

    Viele Verbesserungen unter der Haube

    Viele der Detailverbesserungen sind indes nicht über das grafische Tool zugänglich, sondern erfordern den Wechsel auf die Kommandozeile. Dazu zählt die Möglichkeit, virtuelle Festplatten im VirtualBox-eigenen VDI-Format und dynamische VHDs zu vergrößern bzw. zu verkleinern. Außerdem lässt sich der Bandbreitenverbrauch für Disk-I/O und die CPU-Zeit von virtuellen Prozessoren beschränken. Diese Funktionen sind vor allem für den Einsatz auf dem Server gedacht, für den Oracle VirtualBox nach wie vor positioniert. Dies zeigte sich besonders bei den neuen Funktionen der Version 3.2.

    Zu den weiteren Verbesserungen zählt die Unterstützung für Intels Chipsatz ICH9, asynchrones I/O für iSCSI, VMDK, VHD und Parallels-Images, eine neue Routine zum restlosen Entfernen von VMs sowie mehr als 2GB RAM auf 32-Bit-Hosts. Eine vollständige Übersicht aller Änderungen enthält dieses Changelog.

    Fazit

    VirtualBox bleibt in der Version 4.0 trotz nicht allzu vieler technischer Neuerungen der wichtigste Rivale von VMware Workstation, weil das neu verpackte freie Kernprodukt für viele Nutzungsszenarien ausreicht. Für das Extension Pack gibt es keinen allgemein zugänglichen Preis, es wird aber sicher billiger sein als das komplette Produkt von VMware. VirtualBox ist Microsofts Virtual PC nicht nur technisch überlegen, sondern es unterstützt neben Windows auch Linux, Mac OS X und Solaris.

    Mit der Auslagerung von proprietären Funktionen in Extension Packs entschärft Oracle die Probleme des Dual Licensing, weil Entwickler für solche Module nicht mehr ihre Rechte an Oracle abtreten müssen, wie dies beim Kernprodukt der Fall ist. Aus der Sicht von Open-Source-Verfechtern ist dies zur Abwechslung eine gute Nachricht von Oracle und könnte die Gefahr bannen, dass es bei VirtualBox eine ähnliche Abspaltung gibt wie bei OpenOffice.

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