VirtualBox 5.0: Verschlüsselung, Windows 10, Drag & Drop, Hot-plug für SATA

    VirtualBoxOracle bringt in VirtualBox 5.0 einige Neuerungen, mit denen es gegenüber der VMware Workstation aufschließt. Dazu zählen die Ver­schlüsselung von virtuellen Laufwerken, das Ko­pieren von Dateien zwischen Linux-Gästen und dem Host mittels Drag & Drop, Hot-plug für SATA-Disks via GUI und ein Detached Mode durch Schließen des VM-Fensters.

    Nach mehr als vier Jahren steht mit VirtualBox 5.0 das nächste Major Release des kostenlosen Typ-2-Hypervisors auf der Tagesordnung. Zwar brachten die vielen kleinen Versionssprünge eine Reihe von Neuerungen und noch mehr Fehlerbereinigungen, mit der 5.0 stehen nun aber einige wichtige Features ins Haus.

    Verschlüsselung von Laufwerken

    Eine der Stärken von VirtualBox im Vergleich zu Hyper-V ist die Unterstützung mehrerer Host-Betriebssysteme, nämlich Windows, Mac OS, Linux und Solaris. Hinzu kommt eine noch größere Zahl an zulässigen Gästen, darunter sogar Veteranen wie OS/2 oder Windows NT. Images von virtuellen Maschinen sind zwischen Hosts mit verschiedenen Betriebssystemen portabel.

    Unter diesen Bedingungen ist es sinnvoll, wenn VirtualBox übergreifend eine Technik zur Verschlüsselung von virtuellen Maschinen anbietet. Andernfalls müssen Anwender dafür die Mittel der verschiedenen Betriebssysteme nutzen, was die Portabilität der VMs beschränkt und je nach Fähigkeit der jeweiligen Bordmittel auch zu Abstrichen bei der Sicherheit führt.

    Nach der Installation des Extension Pack kann VirtualBox 5 virtuelle Laufwerke verschlüsseln.

    Nachdem VMware dieses Feature bereits seit der Workstation 9 bietet, schließt nun VirtualBox 5.0 diese Lücke. Es erfordert allerdings die Installation des Extension Packs, das nur für den privaten Gebrauch kostenlos ist.

    Entgegen der häufigen Praxis von Oracle, neue Funktionen erst nur über die Kommandozeile zugänglich zu machen, findet sich die Verschlüsselung in der GUI des VirtualBox Managers, und zwar in den Einstellungen einer VM unter Allgemein => Encryption.

    Drag and Drop auch für Linux und Solaris

    Im Unterschied zu einem Bare-Metal-Hypervisor wie Hyper-V glänzen Produkte wie VMware Workstation oder VirtualBox durch eine enge Integration mit dem Host-Betriebssystem. Diese zeigt sich etwa im Seamless-Modus, der einzelne Anwendungen des Gastes auf dem Desktop des Hosts einblenden kann.

    VirtualBox 5.0 unterstützt Drag and Drop zwischen Gast und Host nun auch mit anderen Systemen als Windows.

    Weitere Beispiele für die enge Verzahnung sind der einfache Datenaustausch über gemeinsame Verzeichnisse oder die automatische Anpassung des Gastes an das Host-Fenster. All diese Features konnte VirtualBox bisher schon vorweisen, nur beim Kopieren von Dateien zwischen Host und Gast per Drag and Drop wies es im Vergleich zu VMware einen Rückstand auf, weil es sich dabei auf Windows-Gäste beschränkte. Die Version 5.0 beseitigt nun auch dieses Defizit.

    Allerdings ist dieses Feature wie schon zuvor per Voreinstellung deaktiviert und kann über den VirtualBox Manager in den Einstellungen einer VM unter Allgemein => Erweitert eingeschaltet werden. Es funktioniert wahlweise in nur eine oder in beide Richtungen, und zwar nun auch mit Gästen unter Linux und Solaris. Voraussetzung dafür ist die Installation der Guest Additions in der VM.

    VM im Hintergrund ohne GUI weiterlaufen lassen

    Neben der Ausführung von Gästen in einem Fenster auf dem Host-Desktop kennt VirtualBox den so genannten Headless Mode, bei dem sich Benutzer remote mit der VM verbinden, in der Regel über den integrierten RDP-Server. Seit einiger Zeit muss man die VM zu diesem Zweck nicht mehr mittels VBoxManage von der Kommandozeile starten, sondern kann das auch von der GUI tun, indem man die Umschalttaste gedrückt hält.

    In den Detached Mode wechselt man, nachdem man eine VM von der Kommandozeile mittels --separate gestartet hat.

    VirtualBox 5.0 bringt nun eine weitere Möglichkeit, VMs ohne Ausgabe auf dem Host-Bildschirm auszuführen. Es handelt sich um den Detached Mode, bei dem man die Grafikausgabe der VM nachträglich beenden kann. Dafür muss man eine virtuelle Maschine jedoch von der Kommandozeile mit dem Schalter --separate starten. Anschließend findet man im VirtualBox Manager unter Schließen eine weitere Option, bei der die VM im Hintergrund weiterläuft. Ersten Reaktionen im Forum von VirtualBox.org zufolge führt diese Modus zu Einbußen bei der Performance.

    Erweitere Unterstützung für Hardware und OS

    Wie bei den meisten größeren Updates einer Virtualisierungslösung erweitert auch VirtualBox 5.0 seine Unterstützung für Hardware und Betriebssysteme. Dazu gehören der Support für USB-Festplatten, NDIS6 unter neueren Versionen von Windows und für USB3 im Zusammenspiel mit einem xHCI-Controller. Das schon zuvor vorhandene Hinzufügen und Entfernen von SATA-Disks im laufenden Betrieb lässt sich nun über die GUI bewerkstelligen.

    Zu den offiziell unterstützten Gästen zählt auch Windows 10 Preview, nachdem die Versionen 3.4.xx damit noch erhebliche Schwierigkeiten hatten. Bei VirtualBox 5.0 findet sich Windows 10 in der Liste der Gastbetriebssysteme, wenn man eine neue VM einrichtet. Die Guest Additions lassen sich ohne Probleme installieren.

    Kein Support für VHDX

    Zu den Funktionen, die vermutlich auf der Wunschliste vieler Benutzer stehen, gehört die Fähigkeit, VHDX-Dateien als virtuelle Laufwerke nutzen zu können. Dazu ist VirtualBox 5.0 nicht in der Lage, vielmehr muss man ein solches Image vorerst noch immer in eine VHD konvertieren.

    Zu den Alleinstellungsmerkmalen von VMware Workstation gehört weiterhin die verschachtelte Virtualisierung, nachdem VirtualBox auch in der Version 5.0 die entsprechenden CPU-Erweiterungen (VT-x, AMD-V) nicht virtualisieren kann.

    Verfügbarkeit

    VirtualBox liegt aktuell als Beta 2 vor. Obwohl sich diese als ziemlich stabil erweist, rät der Hersteller vom Einsatz in produktiven Umgebungen ab. Sie kann kostenlos von der vitualbox.org heruntergeladen werden.

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