VMware AppBlast: Windows- und Mac-Anwendungen im Web-Browser

    VMware AppBlast bringt herkömmliche Desktop-Anwendungen in den Web-BrowserVMware erweitert sein Portfolio für End User Computing, in dem es Produkte wie View, Thinapp oder Workstation zusammenfasst, mit AppBlast um ein weiteres Tool. Ziel der Technologie ist das Ausführen von Remote-Anwendungen in HTML-5-fähigen Browsern. VMware möchte damit offenbar eine Alternative zum Terminal-Server und zu Citrix XenApp anbieten. Unklar ist unter anderem noch, ob AppBlast als eigene Software oder als Komponente von bestehenden Produkten verfügbar sein wird.

    Die auf Youtube verfügbaren Demos von der VMworld zeigen nur, was auf dem Endgerät zu sehen ist. Dieser Teil der neuen Lösung ist relativ klar nachvollziehbar. Ähnlich wie etwa Ericom mit AccessNow nutzt VMware die HTML-5-Elemente Websockets und Canvas, um die Ausgabe der entfernten Anwendungen an den Client zu übertragen und dort darzustellen. AppBlast beschränkt sich auf das Remoting von einzelnen Programmen und ist nicht für die Darstellung eines ganzen Desktops gedacht.

    Keine Multimedia-Redirection

    VMware äußerte sich nicht zum Protokoll, das für die Kommunikation zwischen entfernter Anwendung und Browser genutzt wird, ob beispielsweise PCoIP oder RDP über HTTP getunnelt wird. Der Hersteller positioniert AppBlast jedoch auch für anspruchsvollere grafische Anwendungen, etwa für Videos. Klar ist jedoch, dass es im Gegensatz zu RDP oder ICA keine Multimedia-Umleitung einsetzt, um Bewegtbilder lokal aufzubereiten, vielmehr erfolgt das gesamte Rendering am Remote-Computer.

    Unterstützung für mehrere Betriebssysteme

    VMware AppBlast bringt herkömmliche Desktop-Anwendungen in den Web-BrowserEin wesentliches Merkmal von AppBlast besteht darin, dass es nicht nur den Remote-Zugriff auf Windows-Programme, sondern auch auf Applikationen anderer Plattformen wie Mac oder Linux erlauben soll. Darin unterscheidet es sich von XenApp, das sich ganz und gar auf Windows-Applikationen konzentriert (wenn man von der relativ bedeutungslosen Unix-Version absieht).

    Konkurrenz zu XenApp

    Der Vergleich mit der Citrix-Software dürfte durchaus im Sinn von VMware sein, das bisher nur Desktops mit View zentral bereitstellen kann. Dort kann es zwar einzelne Anwendungen vom Terminal-Server integrieren, allerdings nur über RDP und den damit verbundenen Defiziten. AppBlast würde diese Lücke schließen, wobei sich für Multimedia-Applikationen erst erweisen muss, was die HTML-5-Unterstützung der aktuellen Web-Browser im Vergleich zu etablierten Technologien wie HDX zu leisten vermag.

    Unabhängig vom Terminal-Server

    Keine genauen Angaben machte VMware bisher darüber, wie AppBlast im Backend funktioniert. CTO Scott Davis sagte nur, dass es nicht wie XenApp als Aufsatz auf den Remote Desktop Services, sondern direkt auf Client-Betriebssystemen laufe. Die Implementierung auf den Remote-Systemen ist lizenzrechtlich entscheidend, da etwa für den Terminal-Server (=Remote Desktop Session Host) für jedes Endgerät eine CAL benötigt würde.

    Die offizielle Positionierung für die Personal und Private/Public Cloud heißt nichts anderes, als dass Anwendungen von physikalischen und virtuellen Desktops (unter VMware View) auf entfernten Endgeräten dargestellt werden können. So ließen theoretisch auch Programme, die zu Hause auf dem privaten Apple-Rechner laufen, unterwegs auf einem Tablet mit einem HTML-5-fähigen Browser nutzen. Dies erklärt auch die Aussage von VMware, dass auf dem Remote-Systemen keine Virtualisierungssoftware erforderlich sei. Damit ist auch die Spekulation hinfällig, dass AppBlast über den Hypervisor die Daten von der virtuellen GPU abgreift und über das Netz schickt.

    AppBlast als strategische Technologie

    AppBlast ist eine vielversprechende Technologie, über die VMware bis dato noch zu wenige Informationen verlauten ließ, um sich eine genaue Vorstellung von ihrer Funktionsweise machen zu können. Keine Angaben liegen zudem über eine geplante Markteinführung oder darüber vor, in welcher Form die Software angeboten werden soll. Der Hersteller bezeichnet sie jedoch schon jetzt als Schlüsselkomponente für sein End User Computing.

    Klar ist jedoch, dass VMware damit eine Lücke schließt, indem es nicht nur Desktops, sondern auch einzelne Anwendungen zentral ausführen und remote darstellen kann. Zwar kann auch ThinApp diese Anforderung zu einem gewissen Grad erfüllen, wobei zwar die Programme damit zentral verwaltet, aber lokal ausgeführt werden. Dagegen erfordert AppBlast kein lokale Installation von Software und ist dank der überall verfügbaren Web-Browser plattformunabhängig.

    Die Vision der überall verfügbaren Desktop-Anwendungen, unabhängig vom Endgerät und vom Client-Betriebssystem, ergänzt VMware konsequenterweise um eine Lösung, die den Applikationen die benötigten Daten zur Verfügung stellt. Dabei handelt es sich um Octopus, einer Synchroniserungs-Software nach dem Muster von Dropbox, die allerdings auf die Anforderungen von Unternehmen zugeschnitten ist.

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