VMware ESXi 5.5 Free: Neue Funktionen und Einschränkungen


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    ESXi 5.5Gleichzeitig mit der Freigabe von vSphere 5.5 veröffentlichte VMware wieder eine kostenlose Version des Hypervisors, die viele technische Neuerungen des Vollprodukts erbt. Gleichzeitig beseitigte der Hersteller das bisherige RAM-Limit. Diese Freude wird allerdings getrübt durch fehlende Management-Tools, mit denen sich die neuen Features vollständig nutzen ließen.

    Die kostenlose Version des VMware vSphere Hypervisor, so sein offizieller Name, eignet sich primär für Testumgebungen und kleine Installationen. Eine Reihe von Einschränkungen, allen voran das unvollständige API, machen sie für den produktiven Einsatz weitgehend untauglich. Sie verhindert den Einsatz von vielen Management-Tools, beispielsweise der meisten Host-basierten Backup-Lösungen.

    Beschränkung auf 32 GB RAM beseitigt

    Trotzdem profitiert jede neue Version von ESXi Free von den Fortschritten des Vollprodukts, die höchstens durch künstliche Limitierungen oder lizenzrechtliche Einschränkungen beschnitten werden. So galt bis ESXi 5.1 eine Obergrenze von 32 GB RAM, die im Host installiert sein durften. Diese fällt nun vollständig, so dass die gestiegene Leistungsfähigkeit des Hypervisors nun besser ausgenutzt werden kann.

    Die höhere Skalierbarkeit von ESXi, eine der wichtigen Neuerungen von vSphere 5.5, können die Benutzer der Gratis-Version aber auch ohne 32GB-Limit nicht voll ausschöpfen. Es bleibt nämlich weiterhin bei der Beschränkung des Servers auf 2 Prozessoren und einer VM auf maximal 8 vCPUs. Letztere galt bisher auch für die Essentials Editions, wurde dort nun aber beseitigt. Bis dato fehlt eine explizite Aufstellung der Limits von ESXi 5.5, so dass nicht ganz klar ist, ob sie in den Genuss aller folgenden Verbesserungen der Vollversion kommt:

      ESXi 5.1 ESXi 5.5
    Max. Größe von VMDKs 2TB 62TB
    Virtual SATA Adapter per VM - 4
    Virtuelle SATA-Geräte pro vSATA-Adapter - 30
    Logische CPUs pro Host 160 320
    NUMA Knoten pro Host 8 16
    vCPUs pro Host 2048 4096
    vCPUs pro Core 25 32
    RAM pro Host 2TB 4TB
    VMFS5 - Raw Device Mapping 2TB 62TB
    VMFS5 - Dateigröße 2TB 62TB

    Die gesteigerten Fähigkeiten von ESXi 5.5 (siehe dazu vSphere Configuration Maximums) sind zu einem erheblichen Teil eine Folge der Virtual Hardware 10, die auch in der Workstation 10 zum Einsatz kommt.

    vSphere Client nicht kompatibel mit Virtual Hardware 10

    Der als Management-Tool für ESXi vorgesehene vSphere Client kann indes neue VMs maximal mit Virtual Hardware 8 ausstatten, weil der dafür zuständige Wizard nicht aktualisiert wurde. Als Workaround bleibt das nachträgliche Update über den Befehl Bestandsliste => Virtuelle Maschine => Upgrade virtueller Hardware durchführen.

    Der Wizard zum Anlegen neuer VMs ist im vSphere Client 5.5 bei Virtual Hardware 8 stehen geblieben.

    Anschließend lassen sich die Einstellungen der betreffenden VM aber nie wieder mit dem vSphere Client bearbeiten. Versucht man es, dann rät die angezeigte Fehlermeldung, für diesen Zweck den vSphere Web Client zu verwenden.

    Der vSphere Client 5.5 kann eine VM zwar auf Virtual Hardware 10 aktualisieren, aber danach nicht mehr verwalten.

    Strategische Ausrichtung auf Web Client

    Tatsächlich eignet sich der Web Client aber nicht zur Verwaltung von ESXi Free, weil er Bestandteil von vCenter ist, und zwar sowohl einer herkömmlichen Installation unter Windows als auch des vCenter Server Appliance. Beide dienen der zentralen Verwaltung von voll lizenzierten ESXi-Hosts.

    Die Tools-Misere des kostenlosen Hypervisors entspringt der Entscheidung von VMware, strategisch ganz auf das Web-Interface zu setzen und den Windows-Client nicht mehr weiterzuentwickeln. Er unterstützt daher keines der neuen Features, die ESXi 5.5 bzw. vCenter 5.5 bringen.

    Gleichzeitig bleibt er aber das einzige Tool, mit dem sich Standalone-Hosts verwalten lassen, jedoch mit zunehmenden Einschränkungen. Für das nächste größere Release von ESXi arbeitet VMware offenbar an einer Light-Version des Web-Clients, der den kostenlosen Hypervisor administrieren kann.

    VMware Workstation verwaltet VMs auf ESXi

    In der Zwischenzeit kann die VMware Workstation 10 einige Lücken füllen, die der veraltete vSphere Client offenlässt. Allerdings ist sie nicht in der Lage, den Host selbst, dessen Datastores oder seine Netzwerkkonfiguration zu verwalten. Dafür bietet sie jedoch durchgängige Unterstützung für das Management von VMs.

    Die VMware Workstation 10 kann VMs unter ESXi 5.5 anlegen und verwalten.

    Diese lassen sich nicht nur ein- oder ausschalten, vielmehr kann man neue VMs auf Basis der Virtual Hardware 10 erstellen und nachträglich ihre Konfiguration bearbeiten. Entsprechend ist es auch möglich, virtuelle SATA-Controller hinzuzufügen oder VMDKs mit mehr als 2 TB anzulegen. Hinzu kommen weitergehende Management-Funktionen wie das Anlegen von Snapshots, Cloning oder die Verwaltung von Benutzerrechten.

    Es stellt sich indes die Frage, ob die Zielgruppe für ESXi Free mehrheitlich bereit ist, ein kostenpflichtiges Produkt wie die Workstation zu erwerben, um VMs auf einem funktionsreduzierten Hypervisor zu verwalten. Der für den Privatgebrauch ebenfalls kostenlose VMware Player besitzt nicht die Fähigkeit, sich mit einem ESXi-Server zu verbinden.

    Reduzierter Treiber-Support für Noname-Rechner

    Die Gruppe der Virtualisierungs-Enthusiasten, die VMware mit dem kostenlosen Hypervisor ansprechen möchte, muss in der Version 5.5 mit einem weiteren Manko rechnen. Die in Home-Labs gerne eingesetzten Noname-Rechner ("White Boxes", die nicht auf der Kompatibilitätsliste von VMware stehen) enthalten häufig Netzwerkadapter mit Chips von Realtech und Marvell.

    VMware hat sich entschlossen, die dafür nötigen Treiber nicht mehr mit dem Hypervisor auszuliefern. Wenn man ESXi von 5.0 oder 5.1 auf 5.5 aktualisiert, dann lassen sich die dort installierten Treiber weiternutzen. Bei einer Neuinstallation ist es jedoch erforderlich, die fehlenden Treiber aus einer Vorversion von ESXi in das Installationsmedium aufzunehmen. Dieser umständliche manuelle Prozess lässt sich mit Hilfe des kostenlosen ESXi Customizer von Andreas Peetz vereinfachen.

    14 Kommentare

    Bild von Thomas
    Thomas sagt:
    1. Dezember 2013 - 22:32

    Hallo,

    Sie schreiben zu der kostenlosen Version:

    "Es bleibt nämlich weiterhin bei der Beschränkung des Servers auf 2 Prozessoren und einer VM auf maximal 8 vCPUs."

    Dies bedeutet z.B. bei einem 6-Core Prozessor mit Hyper-Threading, dass einer VM nicht 12 der theoretisch verfügbaren logischen Prozessoren zugewiesen werden können, sondern lediglich maximal 8.

    Wie verhält sich dies zu den virtuellen Sockets die man festlegen kann? Wenn man bspw. für eine VM 2 vSockets mit je 6 vCPU konfiguriert , sind dann einer VM im Ergebnis 12 vCPU (2 x 6 vCPU) nutzbar?

    Bild von Wolfgang Sommergut
    2. Dezember 2013 - 15:10

    Sockel und CPUs sind unter dem Gesichtspunkt der Lizenzierung das Gleiche. Bei ESXi hat man zusätzlich die Möglichkeit, die Zahl der virtuellen Kerne pro vCPU festzulegen (siehe vCPUs unter Hyper-V und VMware vSphere).

    Bild von Thomas
    Thomas sagt:
    2. Dezember 2013 - 21:06

    Hallo Herr Sommergut,

    vielen Dank für die Erläuterung.

    Bild von Ralf
    Ralf sagt:
    6. Dezember 2013 - 13:57

    Hallo Herr Sommergut,

    ich denke der Hypervisor ist kostenlos, warum steht dann bei mir, dass meine Lizenz in 60 Tagen abläuft?

    War denn nur die Testversion kostenlos?

    Bild von Wolfgang Sommergut
    6. Dezember 2013 - 16:04

    Ja, die Lizenz ist kostenlos. Dennoch muss man einen Schlüssel eingeben, den man beim Download der Software erhält. Wie man das macht, beschreibt diese Anleitung.

    Bild von Duncan
    Duncan sagt:
    25. Dezember 2013 - 18:43

    Hallo! Ich habe eine Frage: ich besitze die Workstation 10 und möchte gerne auf einem neuen PC den VMware ESXi 5.5 installieren. Wenn ich Ihren Artikel richtig verstanden habe, kann ich mit meiner Workstation auf dem Server alle VMs verwalten, auch auf Basis Virtual Hardware 10?

    Ich habe zur Zeit einen Windows Server 2012 R2 als VM unter meiner Workstation (Virtual Hardware 10) laufen. Kann ich den anschliessend auf den neuen PC mit VMware ESXi 5.5 verschieben und dort laufen lassen?

    Bild von Wolfgang Sommergut
    25. Dezember 2013 - 20:02

    Die Antwort auf beide Fragen ist "ja". Die Workstation 10 kann VMs auf Hosts unter ESXi 5.5 verschieben und dort verwalten.

    Bild von Duncan
    Duncan sagt:
    29. Dezember 2013 - 23:29

    DANKE :) !

    Bin gerade dabei, meinen virtuellen Server über die Workstation hochzuladen...

    Habe aber eine weitere Frage: WO bekomme ich den WebClient her? Was (welches Paket/Software) muss ich downloaden?

    Bild von Knight Mover
    Knight Mover sagt:
    19. Januar 2014 - 23:11

    Der WebClient ist im Paket des kostenpflichtigen vCenter Servers enthalten.

    Bild von Goodie
    Goodie sagt:
    31. Januar 2014 - 11:07

    Die neue Strategie von VMware finde ich bedauerlich.
    Gerade jetzt ist der Virtualisierungs-Markt heiß umkämpft und Microsofts Hyper-V wird auch immer besser.

    Wenn VMware ihre Strategie bezüglich dem freien ESXi nicht überdenkt, werden viele auf den Hyper-V umsteigen. Vor allem kleinere Betriebe werden es mit der Entscheidung Richtung Hyper-V leichter haben. Sie werden keinen Grund mehr sehen einen nicht mehr verwaltbaren ESXi einzusetzen, wenn der Hyper-V sowieso schon beim Windows Server dabei ist.

    Bild von Michael
    Michael sagt:
    18. Februar 2014 - 19:28

    Hallo,

    darf ich den ESXi 5.5 verwenden, um darauf für Kunden VMs zu erstellen und diese gegen Entgelt zu betreiben? Anders gesagt, darf ich eine Hosting Dienstleistung darauf anbieten oder muss ich dann die kostenpflichtige Version nehmen?

    Bild von Ernesto Lienhard
    Ernesto Lienhard sagt:
    24. September 2014 - 16:02

    Hallo zusammen,

    ich habe folgendes Problem. Auf dem Server Rechner EXi5.1 (Free) installiert.

    auf dem Arbeitsrechner Workstation 10 mit verschiedene VM. Jetzt habe ich all die VM HDD ins EXi verschoben. Leider kann ich dort die Rechner nicht starten.

    Diese Fehler Meldung kommt dann:

    Das Starten der virtuellen Maschine ist fehlgeschlagen.
    Einschalten des Moduls DevicePowerOn fehlgeschlagen.
    Virtuelles SCSI-Gerät für scsi0:0, '/vmfs/volumes/54211fa6-f855dd0f-bf99-0024e84e6949/Lieni-Net/Lieni-Net-0.vmdk' konnte nicht erstellt werden
    Festplatte scsi0:0 konnte nicht geöffnet werden: Nicht unterstützter oder ungültiger Festplattentyp 7. Vergewissern Sie sich, dass die Festplatte importiert wurde.

    Danke für Eure Hilfe
    Ernesto

    Bild von Paula
    Paula sagt:
    3. Oktober 2014 - 17:36

    Du musst VMs von der Workstation erst zu einer VM für ESXi konvertieren. Einfach die vmdk auf den ESXi schieben geht nicht.

    Bild von Alex
    Alex sagt:
    3. November 2014 - 14:44

    Hallo,
    habe einen ESXi installiert und verwalte diese mit der Workstation 10 , habe einen Server mit 2 CPU jeweils mit 6 Kernen, kann jeder virtuellen Maschine nur 8 vCPU zuteilen.
    Sind mehr als 8 vCPU nur in der Essential Version möglich.