VMware Horizon Suite: VDI, Synchronisierung, Cloud-SSO, Portal

    Horizon View ClientVMware führt mehrere schon lange angekündigte End-User-Technologien mit seiner Software für Desktop-Virtualisierung und dem zugekauften Mirage zu einer Suite zusammen. Der Hersteller präsentiert das Paket als umfassende Lösung für die Bereitstellung von Anwendungen in einer Arbeitswelt, die von heterogenen Endgeräten, Mobilität und der Cloud geprägt ist. Allerdings lässt die erste Version der Suite noch einige Funktionen und eine enge Integration vermissen.

    VMware war bis dato am Desktop vor allem mit 3 Produkten präsent. Dazu zählen das VDI-System View, ThinApp für die Anwendungsvirtualisierung und die Workstation als Typ-2-Hypervisor auf dem Client. Parallel dazu entstand als Dreh- und Angelpunkt für die künftige Strategie der Horizon Application Manager. Es handelte sich dabei um eine Art App Store für Unternehmen, der nicht nur Windows-Anwendungen, sondern auch Cloud-Services enthalten sollte und ein Single-Sign-on für die verschiedenen Plattformen bot.

    Horizon vereinigt alle EUC-Technologien

    Daneben kündigte VMware im Lauf der letzten zwei Jahre eine Reihe von Technologien an, die seine Vision vom neuen End User Computing (EUC) vervollständigen sollten. Dazu gehörten unter anderem AppBlast, Appshift und Octopus. Zusätzliche verstärkte das Unternehmen sein Portfolio mit dem Kauf von Wanova, dessen Mirage ein zentrales Management von Windows-Clients erlaubt, indem es alle Änderungen auf den Server repliziert.

    Horizon Workspace ist der Dreh- und Angelpunkt im End-User-Computing von VMware.

    Die Horizon Suite fasst all diese Produkte und Techniken zusammen. Ihr wesentliches Anliegen ist es, alle möglichen Arten von Anwendungen und Daten unabhängig vom traditionellen Windows-PC auf verschiedenen Endgeräten bereitzustellen. Allerdings fehlt derzeit noch eine Komponente zur Verwaltung mobiler Geräte. Nachdem Horizon Mobile als eigenständiges Produkt vom Markt genommen wird, sollen dessen Funktionen im Lauf des Jahres in die Horizon Suite wandern.

    Horizon Workspace als der neue Desktop

    Als Schaltstelle im End-User-Computing (EUC) dient Horizon Workspace 1.0. In diesem Produkt geht der bisherige Application Manager auf, der mit Ende März 2013 eingestellt wird. Davon erbt Workspace den Appstore sowie das SSO für Windows- und Cloud-Anwendungen. Dieses Browser-basierte Portal soll den Zugang zu allen Anwendungen und Daten bieten und somit als plattformunabhängige Alternative zum herkömmlichen Desktop dienen. Nachdem View 5.2 nun auch SAML unterstützt, funktioniert das SSO auch beim Zugriff auf virtuelle Desktops.

    Das Erbe des Application Manager ergänzt die unter dem Codenamen Octopus entwickelte Software zur Synchronisierung von Dateien zwischen verschiedenen Endgeräten. Sie soll wie die Produkte einiger anderer Hersteller als eine von der IT verwaltete Alternative zu Dropbox dienen. Derzeit mangelt es ihr jedoch noch an der Integration mit Windows-Freigaben oder Sharepoint, die ja häufig eine Datenquelle für die Synchronisierung von Dateien sind.

    Neue Funktionen von VMware View 5.2

    Auch wenn VMware in der Desktop-Virtualisierung nur eine Übergangstechnik sieht, um Legacy-Anwendungen losgelöst vom Windows-PC auf diversen Endgeräten bereitstellen zu können, ist View für die meisten Anwender die Hauptkomponente in der neuen Suite. Die Software wurde durch die Aufnahme in das EUC-Budle auf Horizon View umbenannt und liegt nun in der Version 5.2 vor.

    Zwar handelt es sich dabei nur um ein Minor Release, aber es bringt dennoch eine Reihe von wichtigen Neuerungen. Im Rahmen der von VMware verfolgten Vision beim End User Computing kommt dem neuen HTML5-Client eine große Bedeutung zu. Es handelt sich dabei um die Technik aus dem AppBlast-Projekt (jetzt auf Blast umbenannt), die ursprünglich einzelne Anwendungen im Browser bereitstellen sollte. Tatsächlich sind ihre Fähigkeiten auf die Darstellung eines kompletten virtuellen Desktops beschränkt.

    Funktionsreduzierter HTML5-Client

    VMware reiht sich mit dem HTML5-Frontend in ähnliche Angebote für RDP ein, etwa Ericom AccessNow oder das kostenlose Chrome-Plugin von 2X Software. Allerdings benötigt VMware keinen Übersetzer von PCoIP in ein HTML-basiertes Protokoll, sondern liefert die vom Browser benötigten Daten direkt aus dem Desktop.

    Wie die meisten HTML5-Protokolle der ersten Generation ist auch jenes von VMware kein Ersatz für ein binäres Remote-Display-Protokoll, für das ein nativer Client existiert. Die Blast-Technik überträgt keine Audiodaten und rendert Videos komplett am Server, ein Flash-Redirect zur entsprechenden Browser-Erweiterung findet nicht statt. Außerdem ist kein Zugriff auf lokale USB-Geräte möglich. Aus diesem Grund ist der HTML5-Client eine Ergänzung zu PCoIP für all jene Geräte, auf denen man keinen Client installieren kann oder möchte.

    Anpassung von Windows-Anwendungen für mobile Geräte

    Neben Blast findet mit AppShift eine weitere neue Technik, die schon auf der letztjährigen VMworld vorgeführt wurde, Eingang in View. Sie läuft bei VMware unter den Begriff User Interface Virtualization. Dabei werden herkömmliche Windows-Anwendungen für die einfachere Nutzung auf Touch-Geräten transformiert. So erzeugt es Thumbnails zum Umschalten zwischen Programmen oder eigene Controls zur Markierung von Text mit den Fingern (siehe dazu die Demo auf der VMworld).

    Weitere Neuerungen von Horizon View 5.2 bestehen im Update der unterstützten Plattformen, der Nutzung neuer Features von vSphere 5.1, sowie einer höheren Skalierbarkeit:

    • Support für Gäste unter Windows 8 inklusive Unterstützung für Touch-Bedienung
    • Unterstützung für den Microsofts Lync-Client inklusive VoIP und Video-Chat, sowohl über PoIP als auch RDP
    • Nutzung des neuen Formats für virtuelle Disks namens SE Sparse VMDK, das beim Löschen von Dateien im Gast den freigewordenen Platz zurückgewinnen kann
    • Höhere Skalierbarkeit: bis 32 Hosts pro Cluster nun auch mit VMFS (galt schon für NFS), 10000 virtuelle Desktops pro vCenter Server

    Eine vollständige Übersicht über alle Verbesserungen in Horizon View 5.2 gibt Andre Leibovici in seinem Blog.

    Horizon Mirage 4.0

    Die Software gelangte vor rund einem Jahr durch die Übernahme von Wanova an VMware. Ihr Konzept besteht darin, zentral verwaltete Windows-Images mit den Endgeräten bidirektional zu synchronisieren. Dieser Transfer erfolgt auf drei Ebenen, jener des System, der Anwendungen und der Benutzerdaten.

    Auf diese Weise ist es zum Beispiel möglich, im Rahmen einer Migration nur das Betriebssystem auszutauschen und die Anwendungen und User-Profile beizubehalten. Umgekehrt werden alle Änderungen durch die Benutzer in das Rechenzentrum übertragen, was dank Komprimierung und Deduplizierung auch über WANs funktioniert. Solcherart können bei Verlust oder Defekt eines Geräts die Arbeitsumgebungen auf neuer Hardware sofort wiederhergestellt werden.

    Synchronisierung für einzelne Anwendungen

    Die Version 4.0 ist das erste Release von Mirage unter der Ägide von VMware. Die wesentliche Neuerung besteht darin, dass sich die Synchronisierung auf Anwendungsebene nun feiner steuern lässt. Anstatt Änderungen grundsätzlich für alle Applikationen zu übertragen, kann dieser Prozess nun auf einzelne Programme eingeschränkt werden.

    Dies hat den Vorteil, dass Administratoren die Zahl der zu pflegenden Images reduzieren können. Während vorher für jeden Anwendungsmix, beispielsweise für jede Abteilung, ein eigenes Abbild vorgehalten werden musste, lassen sich nun gezielt bestimmte Applikationen in das von (fast) allen Mitarbeitern genutzte Master-Image einspielen.

    Keine Integration mit Horizon View

    Mirage ist ein Tool für das Management von physikalischen Windows-Installationen, vor allem auch von Notebooks. VMware hatte anlässlich der Akquisition angekündigt, die Software mit Horizon View zu integrieren. Damit wäre es dann beispielsweise möglich, von unterwegs über ein Tablet auf einen virtuellen Desktop unter View zuzugreifen, der identisch ist mit jenem, den man im Büro auf einem herkömmlichen PC hinterlassen hat. Mirage würde nämlich alle Windows-Instanzen stets synchron halten.

    Allerdings löst Mirage 4.0 diese Ankündigung nicht ein, es ist weder mit View noch mit Horizon Workspace integriert. Es bietet allerdings eine Option für die Synchronisierung von Windows in einer virtuellen Maschine, und zwar auf dem Client. Horizon enthält eine Lizenz von Fusion Pro, die zum Einsatz von VMware Fusion auf dem Mac und von VMware Player unter Windows berechtigt. Damit ließen sich etwa BYOD-Szenarien abdecken, indem auf einem privaten Apple-Rechner in einer VM der firmeneigene Windows-Desktop läuft, der über Mirage zentral verwaltet wird.

    Preise und Verfügbarkeit

    Die Horizon Suite soll noch im ersten Quartal 2013 erscheinen. Die Lizenzierung erfolgt pro User, der Preis für das gesamte Paket beginnt bei 244 Euro. Die Einzelprodukte sind auch separat erhältlich. Für die bestehenden Anwender von Horizon Mobile und Horizon Application Manager bietet VMware einen Migrationspfad an.

    1 Kommentar

    Bild von Alexander Sommer
    Alexander Sommer sagt:
    22. Februar 2013 - 8:18

    Da hat wohl jemand bei Citrix ein "wenig" abgeguckt. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft, ich bin gespannt.