VMware vSphere 5.1: Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

VMware-PlattformAuch wenn es sich bei vSphere 5.1 nur um ein Minor Release handelt, kommt ihm trotzdem die Aufgabe zu, auf Windows Server 2012 und System Center 2012 zu reagieren. Tatsächlich sind einige wichtige Neuerungen als direkte Antwort auf die Herausforderung durch Microsoft zu verstehen, beispielsweise das verbesserte Storage Appliance, das erweiterte vMotion oder die integrierte Replikation von VMs.

Die zahlreichen Feature-Vergleiche der letzten Monate litten unter dem Schönheitsfehler, dass sie Produkte gegeneinanderstellten, die es noch nicht gab (Windows Server 2012) und die schon ein Jahr alt waren (vSphere 5.0). Das funktionierte deshalb so gut, weil Microsoft schon vorab über geplante Neuerungen spricht, während VMware bis kurz vor der Veröffentlichung darüber Stillschweigen bewahrt. Die Version 5.1 von vSphere sorgt dafür, dass der von Microsoft reklamierte Vorsprung bei mehreren Features wieder dahin ist, bevor er überhaupt Realität werden konnte.

Mehrere separate Produkte nun Teil von vSphere

Das neue Release sorgt für Verbesserungen auf zweierlei Art: Zum einen handelt es sich tatsächlich um technische Neuentwicklungen, zum anderen aber packt VMware bisher separat zu erwerbende Funktionen in die Grundausstattung. Darüber hinaus wandern einige Features von höheren Editionen nun hinunter in die Essentials Kits.

Verbesserungen des Hypervisors

Ein Wettlauf findet immer noch um die Leistungsfähigkeit des Hypervisors statt, obwohl diese Basistechnik schon sehr ausgereift ist. Als Grund dafür nennen die Hersteller ihre Absicht, selbst anspruchsvollste Anwendungen virtualisieren zu können. Die mit ESXi 5.1 und Workstation 9 eingeführte Virtual Hardware 9 erlaubt nun die Zuteilung von bis zu 64 vCPUs und 1 TB vRAM zu einer virtuellen Maschine. Sie unterstützt zudem jetzt auch Windows 8 und Server 2012 als Gäste.

Zu den Hardware-spezifischen Verbesserungen zählen zudem:

  • Single Root I/O Virtualization (SR-IOV) erlaubt die Virtualisierung von PCI-Geräten (primär von Netzwerkadaptern und HBAs), so dass mehrere VMs direkt mit dem Device kommunizieren können. Dieses Feature ist allerdings nicht kompatibel mit vMotion und Snapshots, so dass diese dort nicht zur Verfügung stehen, wo SR-IOV genutzt wird.
  • Als Resultat einer Kooperation mit Nvidia kann ESXi jeder VM eine vGPU zuordnen. Dieses Feature beschleunigt 3D-Grafiken und kann für zusätzliche Rechenaufgaben herangezogen werden.
  • Die Installation bzw. das Update der VMware Tools, die paravirtualisierte Treiber für Netzwerk- und Speicherzugriffe bieten, erfordert nun keinen Neustart des Gastsystems mehr.

Zahlreiche Storage-Neuerungen

Microsoft hatte mit den Preview-Versionen von Windows Server 2012 eine Reihe von neuen Storage-Features vorgelegt. Ein wesentlicher Aspekt dieser Innovationen besteht darin, dass gerade kleinere Installationen künftig ohne SANs auskommen. Dank SMB 3 können File-Server als Ablage für VM-Images dienen, außerdem funktioniert die Live Migration von VMs auch zwischen Hosts rein auf Basis von lokalen Platten.

Gegenstück zu Shared Nothing Live Migration

Während VMware mit NFS schon länger eine Alternative zum Block-orientierten Storage bietet, fehlte bisher die Möglichkeit, VMs ohne Shared Storage migrieren zu können. Der Hersteller legt diese Funktion nun nach, indem er vMotion mit Storage vMotion zu einem Vorgang verbindet (Enhanced vMotion). Sie ist auf 2 parallele Transfers und die manuelle Ausführung beschränkt, weil sie von DRS und Storage DRS nicht genutzt wird. Es gilt zudem die Auflage, dass die beteiligten Hosts vom selben vCenter Server verwaltet werden müssen.

Storage Appliance mit mehr Leistung

Der Zusammenfassung von lokalen Platten zu einem Pool ist die Aufgabe des vSphere Storage Appliance (VSA), das mit der Version 5.0 eingeführt wurde. Diese SAN-Alternative kann pro Host nun maximal 12 Disks verwalten, bis zu 16 Platten können in einem Erweiterungs-Chassis hinzukommen. Die Kapazität von 3 Hosts erhöht sich damit auf 27 TB. Während das Storage Appliance bisher nur als separates Produkt zu haben war, ist es ab der Version 5.1 Bestandteil bereits von Essentials Plus.

VMDK mit automatischer Freigabe von Speicherplatz

Eine weitere Neuerung bezieht sich auf das Dateiformat für virtuelle Festplatten. SE Sparse VMDK ist in der Lage, frei gewordenen Speicherplatz freizugeben, wenn innerhalb des Gastsystems Dateien gelöscht wurden. Dynamische virtuelle Disks wachsen zwar automatisch mit steigender Datenmenge, die sie enthalten, schrumpfen aber nicht wieder, wenn intern Dateien gelöscht werden. Dieses Problem löst das neue Format, allerdings nur für virtuelle Desktops auf Basis von VMware View.

Integrierte Backup-Lösung

VMware vSphere 5.1 bringt auch neue Features für die Datensicherung und das Disaster Recovery. Zum Lieferumfang aller Editionen ab Essentials Plus zählt nun eine Backup-Lösung, die auf EMC Avamar basiert. Sie heißt vSphere Data Protection (VDP), und es handelt sich dabei um ein Virtual Appliance für Disk-Based-Backup, das keinen Agent in den VMs erfordert. Daher kann es auch inaktive VMs sichern.

Das Limit der zu sichernden Daten liegt pro VDP-Instanz bei 2TB, über einen vCenter-Server lassen sich maximal 8 Appliances verwalten. Die Software unterstützt Deduplizierung und die Wiederherstellung einzelner Dateien aus gesicherten VM-Images.

vSphere Replication

Die mit vSphere 5.0 eingeführte Host-basierte Replikation wurde nun erweitert und lässt sich aus dem vSphere Web Client steuern. Sie ist damit ein eigenständiges Feature, das nicht mehr an die DR-Lösung Site Recovery Manager gebunden ist. Somit besitzt vSphere ein Gegenstück zu Hyper-V Replica, das ebenfalls Teil der Grundausstattung ist. SRM selbst wurde ebenfalls auf die Version 5.1 aktualisiert und lässt sich nun auch zusammen mit Essentials Plus einsetzen.

Anti-Malware-Plattform in allen Editionen

Alle Editionen von vSphere 5.1 enthalten als weiteres Sicherheits-Feature vShield Endpoint, ein zuvor ebenfalls nur separat erhältliches Produkt. Es handelt sich dabei um eine Software für die Host-basierte Untersuchung von VMs auf Malware. Sie erlaubt es Virenscannern von Drittanbietern, die Gastsysteme ohne Installation von Agents zu inspizieren. Die Anti-Viren-Software ist in vShield Endpoint nicht enthalten, es stellt nur das Bindeglied zwischen Host und den Sicherheitsprodukten dar. Sie müssen von VMware-Partner extra erworben werden.

Zahlreiche Einzelverbesserungen

Neben diesen markanten Neuerungen bringt ein Update eines so komplexen Produkts immer auch eine Vielzahl weiterer Änderungen. Im Fall von vSphere 5.1 sind dies unter anderem die Erweiterungen des Distributed Switch, Verbesserungen von Auto Deploy, der weitere Ausbau von vSphere Web Client zum bevorzugten Management-Frontend, vCenter Single-Sign-on oder die Unterstützung von 64-Bit-Gästen bei verschachtelter Virtualisierung, wie sie häufig in Testumgebungen eingesetzt wird.

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