WAN-Optimierung: Gartner sieht Riverbed, Silver Peak und Blue Coat vorne


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    WAN-OptimierungTrotz einer zunehmend besseren Anbindung von Zweigstellen und Niederlassungen an die Zentralen steigt der Bedarf an Lösungen für die WAN-Beschleunigung. Die wesentlichen Gründe liegen in der steigenden Datenmenge, dem wachsenden Anteil von Multimedia und dem Einsatz immer neuer Protokolle. Die Analysten der Gartner Group haben nun ihren Magic Quadrant veröffentlicht, in dem sie die wichtigsten Anbieter in diesem Markt bewerten.

    Die wesentliche Aufgabe eines WAN Optimization Controller (WOC), wie Gartner die Produkte zur WAN-Optimierung nennt, besteht darin, Performance-Probleme von Anwendungen zu beheben, die durch eine Beschränkung der Bandbreite, durch Netzwerk-Latenzen und Defizite von Protokollen verursacht werden. Zu diesem Zweck werden die WAN-Beschleuniger an beiden Endpunkten einer WAN-Verbindung installiert. Aus wirtschaftlicher Sicht sollen sie Upgrades auf leistungsfähigere und möglicherweise kostspielige WAN-Links vermeiden helfen und dazu beitragen, den größten Nutzen aus den bestehenden Investitionen zu ziehen.

    QoS, Protokolloptimierung und Kompression

    Der magische Quadrant von Gartner sieht Riverbed, Silver Peak und Blue Coat als die führenden Anbieter bei der WAN-Optimierung.Zu den wichtigsten Funktionen der WAN-Optimierung gehört die Bevorzugung von geschäftskritischen Anwendungen durch Regeln für Quality of Service (QoS) sowie protokollspezifische Maßnahmen, um die Auswirkungen von Latenzen zu minimieren. Ein typischer Kandidat für eine solche Optimierung ist das geschwätzige SMB, um Dateioperationen über WANs für den Benutzer erträglich zu machen. Schließlich gehört die Verringerung der Datenmenge durch Kompression zu den gängigen Fähigkeiten der Optimierer.

    Wie üblich positioniert Gartner die Hersteller im magischen Quadraten für WAN-Optimierung nach zwei Kriterien, der Completeness of Vision und der Ability to execute. Erstere steht für die Strategie und dem Marktverständnis eines Anbieters, Zweitere für seine Fähigkeit, diese umzusetzen. Im begehrten Viertel rechts oben platzieren die Analysten Riverbed Technologies, Blue Coat Systems und Silver Peak.

    Riverbed

    Der als führend eingestufte Hersteller bietet seine Steelhead-Produkte wie die meisten Anbieter in diesem Markt entweder als Kombination aus Hard- und Software (Appliances) oder als Image für virtuelle Maschinen an.

    Als positiv bewertet Gartner den größten Funktionsumfang aller Anbieter, der auch Features für große Zweigstellennetze sowie die Replikation zwischen Rechenzentren umfasst, aber auch einzelne Remote-User unterstützt. Lobend erwähnen die Analysten zudem die einfache Inbetriebnahme der Appliances sowie die guten Management-Tools. Als Pluspunkte nennen sie zudem die Innovationsfähigkeit von Riverbed, die sich unter anderem in der Unterstützung für VDI-Protokolle wie Citrix ICA und VMware PCoIP sowie in der Optimierung von SaaS-Anwendungen ausdrückt, die das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Akamai entwickelt.

    Als Defizite notieren die Analysen die zwar schon länger geplante, aber noch nicht gelieferte UDP-Optimierung, unzureichende SLAs für Anwendungen und die Video-Optimierung.

    Silver Peak

    Dieser Anbieter liefert seine Funktionen zur WAN-Optimierung in Form der physikalischen NX-Appliances oder als VX/VRX Virtual Appliances aus. Seine Kernkompetenz liegt vor allem in der Verbesserung der Datenübertragung zwischen Rechenzentren.

    Als Stärken nennt Gartner, dass Silver Peak seine Konzentration auf Rechenzentrums- und Storage-Replikation dazu nutzte, um zahlreiche Allianzen mit Infrastruktur-Firmen zu schmieden. Hinzu kommt ein großes Produktspektrum inklusive flexibler Lizenzoptionen, zuletzt brachte das Unternehmen auch eine kostenlose Einsteigerversion.

    Von Nachteil sei dagegen die fehlende Unterstützung für mobile User und Mitarbeiter im Home Office aufgrund eines fehlenden Windows-Clients (SoftWOC). Außerdem mangle es Silver Peak an einigen anwendungsspezifischen Optimierungen, beispielsweise um die Auswirkungen längerer Latenzzeiten auf MAPI und ICA zu mildern.

    Blue Coat Systems

    Der Hersteller integriert seine MACH5-Software in seine Palette von ProxySG-Appliances und bietet sie auch als Image für virtuelle Maschinen sowie als Client-Software für einzelne Remote-User (SoftWOC) an. Darüber lässt sich MACH5 zusammen mit der Online-Version seines Secure Web Gateway nutzen, um den Zugriff auf Cloud-Anwendungen zu beschleunigen.

    Gartner nennt als besondere Stärke die überzeugende Performance der Lösungen sowie die gute Unterstützung für Video-Streaming, die viele dafür genutzte Protokolle berücksichtigt. Außerdem loben die Analysten die gute Integration von WAN-Optimierung, Sicherheit und Cloud-Anwendungen.

    Minuspunkte sind die stagnierenden Umsätze und der rückläufige Marktanteil, die sich negativ auf die Investitionen in die Produktentwicklung auswirken könnten. Der SoftWOC-Implementierung fehle es derzeit noch an HTTP-Optimierung, generell nicht vorhanden sei die Unterstützung für VDI-Protokolle wie ICA und PCoIP sowie für Storage-spezifische Protokolle.

    Cisco und Citrix

    Zu den namhaften IT-Firmen, die in die Bewertung aufgenommen wurden, aber keine Platzierung im Feld der führenden Anbieter erreichten, zählen Cisco und Citrix. Die Netzwerker landen bei der Completeness of Vision an vorletzter Stelle, während die Analysten bei Citrix an der Fähigkeit zweifeln, seine Strategie umzusetzen, so dass es bei der Ability to execute im unteren Mittelfeld landet.

    Zu den Stärken von Cisco zählen die Analysten die Integration von WAN-Optimierung in sein Netzwerk-Equipment, besonders in Router für Zweigstellen. Allerdings fallen die Funktionen Gartner zufolge relativ mager aus. Bemängelt werden zudem die geringe Inno­vations­geschwin­dig­keit von Cisco und die umständliche bzw. schwierige Benutzung der Produkte.

    Die Konzentration von Citrix auf die Optimierung von VDI-Protokollen und eine gute Unterstützung von QoS gelten als seine besonderen Stärken, dafür seien seine Branch-Repeater-Produkte keine ideale Wahl für die allgemeine WAN-Beschleunigung.

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    Bild von Wolfgang Sommergut
    Wolfgang Sommergut hat lang­jährige Erfahrung als Fach­autor, Berater und Kon­ferenz­sprecher zu ver­schie­denen Themen der IT. Da­ne­ben war er als System­ad­mi­ni­stra­tor und Con­sultant tätig.
    // Kontakt: E-Mail, XING, LinkedIn //

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    2 Kommentare

    Hallo Herr Sommergut,

    bezugnehmend auf diesen Artikel häte ich folgende Anmerkung.

    Riverbed ist nicht in der Lage SaaS-Anwendungen (etwa SalesForce oder ähnliche Modelle) zu optimieren, da im dortigen Rechenzentrum kein WAN-Optimierer platziert werden kann. Direct-to-the-Net Modelle, die gerade bei der Nutzung von SaaS Sinn machen unterstützt RVBD ebenfalls nicht.

    Im englischen Originaltext wird hier auch nur von IaaS (Infrastructure as a Service) gesprochen, d.h. gehostetes Datacenter (z.B. von Amazon oder anderen Hosting-Anbietern), wo man einen WAN-Optimierer platzieren könnte. Hier funktioniert dann das symmetrische WANOP-Modell wieder.

    Offensichtlich hat der Autor oder Übersetzer des Artikels hier die Begriffe IaaS / SaaS einfach mal ausgetauscht.

    Ich würde Sie bitten dies zu berichtigen da es zu Verwirrungen bei den Anwendern führen kann.

    Vielen Dank

    Mit freundlichen Grüßen

    Robert Specht
    Channel Manager
    Blue Coat Systems

    Bild von Wolfgang Sommergut

    Hallo Herr Specht, danke für den Hinweis! Sie haben recht, da habe ich nicht genau gelesen: Die unter "Stärken" gelistete Beschleunigung von SaaS wird von Riverbed in Zusammenarbeit mit Akamai erst entwickelt.