Was der Windows 8 App Store für Unternehmen bedeutet

    Windows 8 App StoreEine angeblich versehentlich an die Öffentlichkeit geratene Powerpoint-Präsentation zu Windows 8 sorgte für große Aufgeregtheit im Web. Die meisten Folien beziehen sich auf mögliche neue Funktionen, deren Realisierung noch höchst ungewiss ist. Zu den Plänen von Microsoft zählt demnach auch ein App Store, der aufgrund erfolgreicher Vorbilder wahrscheinlich kommen wird. Im Gegensatz zu Apple, das in der Firmen-IT kaum eine Rolle spielt, würde Microsoft mit einem App-Store auch die Arbeitswelt verändern.

    Microsoft hat bereits erste Versuche mit Online-Stores hinter sich, die entweder mit Musik- und Video-Downloads direkt gegen Apple positioniert wurden (Zune) oder ganz traditionell Software im Paket verkaufen (Microsoft Store). Ein künftiger Windows App-Store würde dagegen das riesige Angebot an Windows-Software mit dem Vertriebsmodell eines iTunes kombinieren.

    Store offiziell nur für Consumer, aber ...

    Die Zielgruppe für einen solchen Channel sind laut Folie Consumer. Angesichts der Konsumerisierung der IT, die Microsoft seit Jahren als wichtigen Trend beschwört, lassen sich die Grenzen zwischen privater und beruflicher Anwendung oft nur schwer ziehen. Falls ein solcher App Store auch - wie zu erwarten - MS Office anbietet, dann richtet sich das an private wie professionelle Nutzer. Wenn Microsoft den Zugang von Software-Entwicklern zum Store nicht so rigide kontrolliert wie Apple und auch das Einstellen geschäftlicher Software erlaubt, dann würde schnell ein entsprechendes Angebot entstehen.

    Für die IT-Abteilungen bedeutet ein solcher Windows-Shop, dass Mitarbeiter und Fachabteilungen relativ einfach Software direkt über Microsoft beziehen könnten. Zu den zahlreichen (kostenlosen) Web-Anwendungen von Google & Co., die schon längst als Alternative oder Ergänzung zu "offiziellen" Anwendungen genutzt werden, kämen dann auch Legionen von Windows-Anwendungen hinzu.

    Auswirkungen eines MS App Store auf die Firmen-IT

    • Ein erster Reflex der IT-Verantwortlichen könnte darin bestehen, den Bezug von Software aus dem Windows Store zu unterbinden, sowohl durch Richtlinien als auch durch technische Barrieren. Application Whitelisting wie Applocker oder einfach das Blockieren der Store-URL in der Firewall wären dafür geeignete Maßnahmen.
    • Der Trend zu mündigen Anwendern, die Software oder Services selbst anfordern anstatt sie zentral von der IT zugeteilt zu bekommen, manifestiert sich in neueren Tools für das System-Management. So enthält etwa Microsofts System Center Service Manager 2010 ein Selbst­bedienungs­portal und das ganze Konzept des "IT Commerce" von Matrix42 kreist um diese Idee. Auf Dauer dürfte es deshalb in den meisten Unternehmen schwierig werden, auf einen Windows Store nur mit Absprerren zu reagieren.
    • Wenn die Idee der Software-Selbstbedienung in Unternehmen Fuß fasst, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die intern genutzten Portale auch Software aus dem App Store listen. Als Dienstleister für die Beschaffung und Bereitstellung wäre dafür nicht mehr die IT-Abteilung zuständig, aber sonst wären die Unterschiede zwischen den Bezugsquellen aus der Sicht des Anwenders kaum wahrnehmbar. Die IT könnte aber einen zusätzlichen Filter vorschalten, indem sie nur ausgewählte Software anbietet.
    • Die einzige konkrete Angabe in der Folie zum Deployment von Store-Anwendungen besteht darin, dass die Programme und ihre Einstellungen dem Benutzer folgen sollen. Das spricht nicht für die Distribution von MSI-Paketen oder setup.exe, die auf einem Gerät auf herkömmliche Weise installiert werden. Vielmehr schreit diese Anforderung nach dem Einsatz von App-V, das Programme auf Endgeräte streamen kann, ohne das Betriebssystem auf dem Client zu verändern. Außerdem speichert es die benutzerspezifischen Einstellungen zentral, so dass sie auf alle Geräte mitwandern können.
    • Der großflächige Einsatz von App-V über weltweit verteilte Standorte bei BMW zeigt, dass die Technik auch für die Softwaredistribution über einen App Store ausreichend leistungsfähig ist. Wenn Anwender am Beispiel des Windows Store die Vorteile von Applikations-Virtualisierung erkennen, wird sie auch intern an Bedeutung gewinnen.
    • Derzeit gibt es noch keinerlei Informationen über die Lizenzmodelle für den Windows Store. Aber bei einem iTunes-ähnlichen Vertrieb ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Benutzer einmal eine dauerhaft gültige Lizenz erwerben, auch schon deshalb, weil mit der Bereitstellung zusätzliche Services verbunden sind. Viel eher wird Microsoft mit dem App-Store ein Mietmodell bevorzugen, das es in Firmen schon länger mit Hilfe der Software Assurance voranbringen möchte.
    • Ein zentraler Marktplatz, der Bewertungen der User und Download-Zahlen veröffentlicht, würde die Recherche nach Software und die Kaufentscheidungen deutlich vereinfachen. Darüber hinaus wird Microsoft nach den bisherigen Informationen nur Anwendungen zulassen, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen.

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