Windows 10 2004: Die wichtigsten Neuerungen für professionelle Anwender im Überblick

    Integration der Web-Suche in Windows SearchWährend Windows 10 1909 als besseres Service Pack kaum Neuerungen brachte, wartet das Release 2004 wieder mit einigen neuen Features auf. Dazu zählen das Windows Subsystem für Linux 2 und der schon zuvor verfügbare Browser Edge Chromium. Hinzu kommen Änderungen beim Setup und der Delivery Optimization.

    Microsoft sieht bei seinen Release-Zyklen ein Wechselspiel zwischen Versionen im Frühjahr mit einer größeren Zahl an Innovationen und solchen mit geringen Änderungen im zweiten Halbjahr vor. Zweitere erhalten dafür bei der Enterprise Edition 30 Monate Support, die aus dem ersten Halbjahr dagegen nur 18 Monate.

    Windows 10 2004 bringt zwar viele Änderungen, die meisten bestehen aber in Verbesserungen von bestehenden Features. Die großen Innovationen beschränken sich im Wesentlichen auf das Windows Subsystem für Linux 2 (WSL 2) und die Integration des Chromium-basierten Edge-Browsers.

    Windows Subsystem für Linux 2

    WSL 2 ist im Vergleich zur ersten Ausprägung eine weitgehende Neuent­wicklung. Sie nutzt ähnlich wie die Sandbox, Application Guard oder Credential Guard eine leicht­gewichtige virtuelle Maschine, die man nicht selbst einrichten muss und für die auch keine explizite Installation von Hyper-V erforderlich ist (siehe: Subsystem for Linux 2 (WSL 2) in Windows 10 2004 installieren).

    Ubuntu 18.04 auf WSL 2 in Windows Terminal

    In der VM läuft ein Linux-Kernel. Dies hat den Vorteil, dass Microsoft kein hybrides Dateisystem mehr benötigt, sondern bei WSL 2 innerhalb der VHDX ein natives EXT4 verwendet. Ein Fortschritt der neuen Architektur besteht auch darin, dass Windows-Programme wie der Datei-Explorer nun auch auf das Linux-Dateisystem zugreifen können.

    Eine weitere Integration der beiden Welten erlaubt es, Dienste innerhalb von WSL 2 von Windows aus über localhost anzusprechen. Beispiels­weise könnte man auf diese Weise von einem Browser unter Windows eine Seite von einem Web-Server anfordern, der unter Linux läuft.

    Auf der Build-Konferenz kündigt Microsoft an, dass eine künftige Version von WSL grafische Linux-Anwendungen sowie DirectX unterstützen werde.

    Edge Chromium

    Mit der Aufgabe der eigenen Browser-Engine wechselte Microsoft zu Chromium und damit wieder zu einem herkömmlichen Win32-Programm. Bei Edge der ersten Generation handelte es sich noch um eine UWP-App, die nur unter Windows 10 lief.

    Der neue Browser hingegen ist für alle Versionen von Windows verfügbar, inklusive Windows Server (Core). Durch diese Entkopplung vom OS konnte Microsoft den Chromium-basierten Edge bereits im Januar unabhängig von einem neuen Release des Betriebs­systems veröffentlichen.

    Bei Windows 10 2004 ist aber nach wie vor die alte Version an Bord, die beim ersten Aufruf die Download-Seite für Edge Chromium öffnet. Bis jetzt liegt der Marktanteil des neuen Microsoft-Browsers noch im einstelligen Bereich, dieser könnte sich künftig erhöhen, wenn dafür kein eigener Download mehr erforderlich ist.

    Die alte Version von Edge bietet beim ersten Start den Download von Edge Chromium an.

    Um im professionellen Bereich die erwünschte Akzeptanz zu erhalten, sieht Microsoft vor, Edge zentral über Gruppenrichtlinien zu verwalten und über WSUS zu aktualisieren.

    Windows 10 2004 ergänzt die Möglichkeit, den Browser in der abgeschotteten Umgebung von Application Guard auszuführen. Dieser kommt übrigens jetzt auch den Anwendungen von Office 365 ProPlus zugute, wenn den Benutzern eine Lizenz vom Typ Microsoft 365 (Security) E5 zugeordnet ist.

    Neue Setup-Variante

    Wenn man Upgrades über setup.exe einspielt, dann stehen für den Parameter /DynamicUpdate nun die drei neuen Werte NoDrivers, NoLCU und NoDriversNoLCU zur Verfügung. Damit kann man dynamische Updates so einschränken, dass dabei Treiber oder das letzte kumulative Update über­sprungen werden, der letzte Wert bewirkt beides.

    Eine weitere Neuerung erlaubt die Aufteilung der Installation in zwei Phasen. Mit dem Schalter /skipfinalize kann man auf der vorherigen Version von Windows das Setup starten, so dass es alle Aufgaben ausführt, die vor dem erforderlichen Reboot anstehen. Der verbleibende Teil des Updates lässt sich dann zeit­versetzt mit dem Parameter /finalize auslösen.

    Reservierten Speicherbereich verwalten mit DISM

    Mit Windows 10 1903 führte Microsoft den reservierten Speicherbereich ein, um zu gewähr­leisten, dass ausreichend Plattenplatz für Updates zur Verfügung steht. Ob dieser aktiviert ist, kann man nun mit

    DISM /Online /Get-ReservedStorageState

    ermitteln. Um ihn zu aktivieren, gibt man

    Dism /Online /Set-ReservedStorageState /State:Enabled

    ein, mit dem Wert Disabled schaltet man ihn wieder ab.

    DISM mit neuem Schalter, um den Status des reservierten Speicherbereichs abzufragen

    PC-Reset über die Cloud

    Windows 10 bot schon bisher die Möglichkeit, das Betriebs­system auf die Standard­einstellungen zurückzusetzen. Dabei nutzt Microsoft die lokal bereits vorhandenen Windows-Dateien. Dieser Vorgang entfernt die installierten Anwendungen und optional auch die Benutzerdaten.

    Die Installation von Windows lässt sich nun zurücksetzen, indem das System die benötigten Dateien aus dem Internet herunterlädt.

    In der Version 2004 kommt die Option hinzu, die Dateien für das Betriebs­system stattdessen über das Internet herunterzuladen. Auf diese Weise ließe sich das OS wieder­herstellen, wenn etwa einzelne Systemdateien auf dem Rechner beschädigt sind.

    Erweiterte Konfiguration der Übermittlungsoptimierung

    Die Delivery Optimization (DO) ist eine Komponente von Windows Update for Business (WUfB) und dient dazu, das Datenvolumen beim Download von Updates zu reduzieren. Dazu nutzt es Rechner im lokalen Netz als Cache.

    Nachdem Microsoft einem kürzlich erschienen Whitepaper zufolge statt auf WSUS verstärkt auf WUfB setzen will, kommt der Übermittlungs­optimierung eine erhöhte Bedeutung zu. Gerade in Unternehmen mit mehreren Standorten, die über langsame Netzwerke angeschlossen sind, können Admins über verteilte WSUS-Server und Verteilerringe den Update-Traffic kontrollieren.

    Delivery Optimization bot für das Bandbreiten-Management bereits bisher einige Einstellungen, die aber nicht ausreichten, um die Überlastung solcher Netze zu verhindern. Auf entsprechendes Kunden-Feedback hin erlaubt Microsoft nun die Festlegung eines absoluten Höchstwerts in Mbps, die der Transfer von Updates verbrauchen darf.

    Der Bandbreitenverbrauch der Übermittlungseinstellung lässt  sich nun mit einer weiteren Einstellung kontrollieren.

    Zusätzlich sollen drei neue PowerShell-Cmdlets für Admins mehr Transparenz schaffen:

    • Get-DeliveryOptimizationStatus -PeerInfo: Verschafft einen Einblick in die Peer-to-Peer-Aktivitäten (IP-Adressen, gesendete und empfangene Bytes)
    • Get-DeliveryOptimizationLogAnalysis: Zusammenfassung der DO-Logs (Zahl der Downloads, Downloads von anderen PCs im Netz, Effizienz insgesamt). Der Schalter ListConnections erlaubt einen detaillierten Einblick in die Peer-to-Peer-Verbindungen.
    • Enable-DeliveryOptimizationVerboseLogs: Aktiviert eine detaillierte Aufzeichnung von Ereignissen, hilfreich für das Troubelshooting.

    Mehr Informationen im Task-Manager

    Microsoft erweitert den Task-Manager, so dass er zusätzliche Hardware-Infos liefert. So zeigt er nun die Temperatur der GPU an, wenn der Rechner über eine eigene Grafikkarte verfügt.

    Der Task-Manager zeigt nun auch den Typ eines Laufwerks an

    Im Tab Leistung kann man zudem bei den Laufwerken erfahren um welchen Typ es sich dabei handelt (HDD oder SSD). Allerdings ist das Tool nicht in der Lage, die tatsächliche Hardware erkennen, wenn es in einer virtuellen Maschine läuft.

    Änderungen in der App Einstellungen

    Die Umstellung von der Systemsteuerung auf die App Einstellungen schließt auch die Version 2004 nicht ab. Diverse Links in der App öffnen noch die alten Dialoge. Als neueste Errungenschaft lässt sich die Geschwindigkeit des Maus-Cursors nun in der App anpassen.

    Microsoft gestaltet fast bei jedem Update einige Seiten der App Einstellungen neu, dieses Mal trifft es die Konfiguration für das Netzwerk. Sie zeigt auch die Datennutzung für die einzelnen Verbindungen an, in den erweiterten Optionen finden sich zudem die Netzwerk­profile.

    Die neu gestaltete Seite für die Netzwerkkonfiguration in der App Einstellungen

    Windows 10 startet nach dem Reboot die zuletzt ausgeführten Anwendungen neu. Dies gilt jetzt nicht mehr bloß für Win32-Programme, sondern auch für die meisten Store-Apps. Außerdem kann man dieses Feature unter Konten => Anmeldeoptionen ab dem Release 2004 explizit ein- und ausschalten.

    Der automatische Neustart von Apps nach einem Reboot von Windows 10 lässt sich nun explizit ein- und ausschalten.

    Für die System­verwaltung spielt die App eine untergeordnete Rolle, auch schon deshalb, weil sie sich in einer Sitzung eines Standard­benutzers nicht mit administrativen Rechten ausführen lässt.

    Diverse Neuerungen

    Windows 10 2004 bringt eine Reihe von kleineren Veränderungen, die im professionellen Umfeld eher eine untergeordnete Bedeutung haben:

    • Die Anmeldung per PIN funktioniert jetzt auch im abgesicherten Modus.
    • Spezialisierte Bildschirme in Windows 10 Enterprise und Windows 10 Pro for Workstations: Monitore lassen sich für bestimmte Aufgaben wie Video-Darstellung, Industrie­anwendungen oder Gaming abstellen und werden dann nicht mehr für den Desktop verwendet.
    • Virtuelle Desktops (gemeint ist nicht VDI, sondern mehrere Desktop-Fenster) lassen sich umbenennen
    • Geringere Auslastung von Laufwerken durch den Indexer von Windows Search. Dies könnte in virtuellen Desktops von Nutzen sein, sofern dort die Suche nicht ohnehin deaktiviert wird.
    • Neues Design der in Windows Search integrierten Web-Suche durch Bing, sofern man diese nicht lieber ganz abschaltet.
    • Erfassen von Bildern und Videos aus Netzwerkkameras, die mit dem Standard ONVIF Profile S kompatibel sind.

    Windows 10 2004 sucht selbständig nach kompatiblen Kameras im Netzwerk.

    Fazit

    Die auffälligsten Neuerungen von Windows 10 2004 sind der Edge-Browser auf Basis von Chromium sowie das von Grund auf überarbeitete Subsystem für Linux. Für das OS-Deployment bringt dieses Release neue Optionen für das Setup.

    Das Management von Updates profitiert von zusätzliche Einstellungen für die Übermittlungs­optimierung sowie der Möglichkeit, den reservierten Speicher­bereich zu aktivieren und zu deaktivieren.

    Viele der kleineren Änderungen (Coud-Reset, neu gestaltete Seiten in der App Einstellungen) können sich im Einzelfall als nützlich erweisen, spielen in verwalteten Umgebungen aber eher eine untergeordnete Rolle.

    4 Kommentare

    Martin Feuerstein sagt:
    25. Mai 2020 - 13:27

    Wie ist das mit Chrome-Edge? Ein Versuch, diesen auf einem Hyper-V 2019 zu installieren schlug zuletzt fehl. Geht das nur auf einem "normalen" Server Core?

    Bild von Wolfgang Sommergut
    25. Mai 2020 - 14:51

    Das ist die Liste der Windows-Versionen, die Microsoft für Edge Chromium unterstützt. Darunter findet sich auch Windows Server SAC, den es ja nur als Core gibt.

    Karl Wester-Ebb... sagt:
    8. Juni 2020 - 11:21

    Danke für den hilfreichen Artikel. Erwähnenswert ist auch die Integration von setupdiag

    @Martin, ja die Installation funktioniert ohne weitere FoDs, getestet auf Server 2019.

    Martin Feuerstein sagt:
    8. Juni 2020 - 13:23