Windows 10 soll Android- und iOS-Apps ausführen, Win32 aus dem Store

    Windows 10 Universal AppsZu den wichtigsten Ankündigungen auf der Build-Konferenz gehört, dass Microsoft die Portierung von Android- und iOS-Apps auf Windows 10 mit entsprechenden Werkzeugen weitgehend auto­ma­tisieren will. Es handelt sich dabei um einen riskanten Zug Microsofts, um Marktanteile bei mobilen Geräte zu gewinnen.

    Die Beweggründe für diese Öffnung der eigenen Plattform liegen auf der Hand: Microsoft ist es bis dato nicht gelungen, mit Windows Phone nennenswerte Zuwächse bei Smartphones zu erzielen, und Windows 8.x besetzt bei Tablets ebenfalls nur eine Nische. In dieser Situation fällt es einem Hersteller sehr schwer, Entwickler davon zu überzeugen, für seine Plattform zu programmieren.

    Ein Programmiermodell für alle Geräte

    Ein wesentlicher Schritt, um diesen Zustand zu ändern, besteht für Microsoft darin, Windows 10 als einheitliches Betriebssystem für alle möglichen Clients anzubieten, von herkömmlichen PCs und Notebooks bis hin zu Smartphones. Auf der Build-Konferenz zeigte sich die Firma optimistisch, dass Windows 10 zwei bis drei Jahre nach seiner Freigabe auf einer Milliarde Geräte laufen und so einen riesigen Markt für Apps repräsentieren würde. Zum Erreichen dieses Ziels soll maßgeblich das kostenlose Update für die Versionen 7 und 8.x beitragen.

    Ein einheitliches Programmiermodell vom Smartphone bis zur Workstation soll Entwickler anlocken.

    Allerdings hat Windows 8.x gezeigt, dass es für Touch-Applikationen auf einem PC-Betriebssystem nur eine relativ geringe Nachfrage gibt, so dass Microsoft für seine Store Apps nicht die kritische Masse erreichen konnte, die Windows Phone für eine größere Akzeptanz benötigt hätte (abgesehen davon, dass Apps zwischen den beiden Systemen portiert werden müssen und in verschiedene Stores verfügbar sind).

    Project Astoria für Android-Apps

    Einen Ausweg sieht Microsoft nun darin, Apps von erfolgreicheren mobilen Plattformen auf Windows 10 zu unterstützen. Dies ist keine ungewöhnliche Maßnahme, auch Blackberry hat sich dazu entschlossen, Android-Apps auf seinen Geräten auszuführen, auch wenn es technisch dafür einen anderen Ansatz wählt.

    Im Fall des Google-Betriebssystems entwickelt Microsoft unter dem Codenamen Astoria eine Laufzeitumgebung, die einen Großteil der Android-APIs implementiert und so die Ausführung unmodifizierter Apps ermöglicht. Im Idealfall müssen Entwickler ihre Android-Anwendungen nur in den Windows Store hinaufladen.

    Update: Nach den ersten Meldungen, die im Vorfeld der Build kursierten, wonach Windows 10 unmodifizierte Adroid-Apps ausführen könne, erweist sich Project Astoria als ein Bündel von Services, Tools und Anleitungen, um Anwendungen zu portieren.

    Die Anpassung der Codes für die Microsoft-Plattform beginnt damit, dass er auf in ein dafür eingerichtetes Web-Tool hochgeladen wird, das die Anwendung analysiert und abschätzt, ob und wie viele Änderungen für eine erfolgreiche Portierung notwendig sind. Angeblich lassen sich die meisten Programme ohne oder mit nur geringfügigen Änderungen neu übersetzen.

    Portierung von iOS-Apps

    Um Apps für Apples iOS unter Windows 10 ausführen zu können, müssen ihre Anbieter einen ähnlichen Aufwand einkalkulieren. Unter der Bezeichnung Project Islandwood stellt Microsoft Tools zur Verfügung, mit der sich Object-C-Quellcode in Visual Studio importieren, bearbeiten und debuggen lässt. Nach ebenfalls nur geringfügigen Anpassungen könne die App für Windows 10 übersetzt werden.

    Windows 10 soll eine Brücke zu Android- und iOS-Apps bauen.

    Auf den ersten Blick scheint es eine vielversprechende Strategie, das Angebot an Apps durch die einfache Portierung von anderen Plattformen zu vergrößern. Allerdings besteht dabei die Gefahr, dass Entwickler darin bestärkt werden, keine nativen Apps für Windows 10 zu programmieren, weil es ausreicht, sich auf den Massenmarkt der Android- und iOS-Geräte zu konzentrieren und damit nebenbei auch noch mobile Geräte unter Windows 10 abzudecken.

    Virtualisierte Win32-Apps aus dem Store

    Eine weitere Quelle für Anwendungen ist der große Fundus von Win32-Anwendungen. Sie eignen sich zwar nicht für die Ausführung auf Smartphones, aber sie könnten auf Tablets und verschiedenen hybriden Geräten von Interesse sein. Bis dato müssen sie über eigene Vertriebswege bezogen und mittels eigener Mechanismen installiert werden. Microsoft will hier Hürden für Entwickler und Anwender abbauen, indem diese herkömmlichen Windows-Programme künftig ebenfalls über den Store angeboten und abgerechnet werden können.

    Allerdings soll man sie dann nicht als MSI-Paket herunterladen und auf traditionelle Weise aufspielen, weil bei Store Apps die Erwartung vorherrscht, dass sie sich bei Nichtgefallen unkompliziert und vollständig vom System entfernen lassen. Außerdem dürfte der Support-Aufwand bei einer gewöhnlichen Installation höher sein.

    Aus diesem Grund sollen Win32-Apps mittels einer nicht näher genannten Virtualisierungstechnik in einer Sandbox ablaufen, so dass sie keine Änderungen am System vornehmen können. Diese Anforderung erfüllt natürlich App-V, das vermutlich in einer adaptierten Form hinter diesem neuen Service stecken wird.

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