Startmenü in Windows 10 anpassen über GPOs oder .ppkg-Dateien

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    Windows 10 StartmenüNach der unge­liebten Start­seite von Windows 8 bringt Windows 10 schein­bar wieder das alte Start­menü zurück. Rein tech­nisch handelt es sich dabei aber um ein ganz anderes Wesen als unter Windows 7, was sich auch beim zen­tralen Management zeigt. Seit dem Release 1511 bietet es dafür neue Optionen.

    Im Vergleich zu Windows 7 fällt auf den ersten Blick vor allem ins Auge, dass die Kacheln aus der ehemaligen Startseite nun ihren Platz im Startmenü gefunden haben. Die wesent­lichen Unterschiede finden sich aber unter der Haube. So wird die Struktur des Startmenüs nicht mehr vollständig über die Verzeichnis­struktur im Benutzerprofil abgebildet, sondern Microsoft verwendet dafür nun eine Datenbank.

    Kein Roaming, keine Vorgabe über das Standardprofil

    Diese neue Konfigu­ration des Startmenüs liegt nicht mehr im Roaming-Zweig des Benutzerprofils, so dass es den Anwendern nicht auf andere Rechner folgt, wenn Server-gespeicherte Profile verwendet werden (siehe dazu: Roaming Profiles in Windows 10: Versionierung, Startmenü).

    Diese architektonische Änderung verhindert auch, dass man allen Benutzern bei ihrer ersten Anmeldung ein angepasstes Startmenü einrichtet, indem man für sie ein Standardprofil (in der Domäne) anlegt. Beim Export eines Musterprofiles bleibt nämlich das Startmenü auf der Strecke.

    Nur relativ wenige GPO-Einstellungen verfügbar

    Möchte man das Startmenü zentral vorgeben, dann muss man das also weitgehend zur Laufzeit des Systems tun. Dabei greifen einige der alten Einstellungen aus den Gruppen­richtlinien, die meisten zeigen aber keine Wirkung mehr. Für die Verwaltung der Kacheln benötigt man zusätzlich andere Mittel.

    Die meisten altbekannten Einstellungen für das Startmenü greifen unter Windows 10 nicht mehr.

    Erlaubt man den Benutzern, das Startmenü individuell anzupassen, dann beschränken sich diese Änderungen wegen der fehlenden Roaming-Unterstützung auf den lokalen Rechner.

    Management nach Abschnitten

    Das Startmenü von Windows 10 ist ein relativ komplexes Gebilde, das sich in mehrere Bereiche unterteilt. Diese lassen sich über jeweils eigene Richtlinien verwalten, soweit solche überhaupt vorhanden sind. Sie finden sich unter Benutzerkonfiguration => Richtlinien => Administrative Vorlagen => Startmenü und Taskleiste.

    Für die einzelnen Abschnitte des Startmenüs sind jeweils eigene Einstellungen zuständig.

    (1) Zuletzt hinzugefügt: Dieser Abschnitt lässt sich interaktiv über die App Einstellungen unter Personalisierung => Start => Zuletzt hinzugefügte Apps anzeigen ausblenden. Eine Gruppen­richtlinie gibt es dafür nicht.

    (2) Meistverwendet: Die Anzeige dieses Bereichs lässt sich ebenfalls über die GUI unterdrücken. Für GPOs ist die Einstellung Liste häufig verwendeter Programme aus dem Startmenü entfernen vorgesehen.

    (3) Vorgeschlagen: Im Gegensatz zu den anderen Abschnitten findet sich diese Einstellung im Zweig Computerkonfiguration, und zwar unter Richtlinien => Administrative Vorlagen => Windows-Komponenten => Cloudinhalte und heißt Microsoft-Anwender­features deaktivieren. Seit der Version 1607 wird sie allerdings nur mehr in der Enterprise Edition unterstützt.

    (4) Abschnitt Benutzer: Hier lässt sich der Befehl Abmelden aus dem Startmenü ausblenden. Dies erfolgt über Option Abmelden aus dem Menü "Start" entfernen.

    (5) Bereich Ein/Aus: Hier kann man verhindern, dass die Anwender den Rechner herunterfahren oder in den Energiespar­modus versetzen. Diesem Zweck dient die Einstellung Befehle "Herunterfahren", "Neu starten", "Energie sparen" und "Ruhezustand" entfernen und Zugriff darauf verweigern.

    Zusätzlich lassen sich mit den gleichlautenden Einstellungen Benutzerordner aus dem Menü Start entfernen oder die Liste "Alle Programme" aus dem Menü "Start" entfernen. Schließlich kann man den Benutzern jegliche Änderungen am Startmenü und an der Taskleiste untersagen, und zwar mit Ändern der Einstellungen für die Taskleiste und das Menü "Start" verhindern.

    Start-Layout für Benutzer vorgeben

    Eine besondere Rolle spielt der Abschnitt Start Layout, der die Kacheln der Modern Apps versammelt. Seine Struktur lässt sich durch eine XML-Datei vorgeben, die man ihrerseits über GPOs oder über Provisioning Packages verteilen kann.

    Im ersten Schritt exportiert man mit dem unter Windows 8 eingeführten Cmdlet Export-StartLayout die Konfiguration eines Startmenüs, das man wie gewünscht angepasst hat und als Standard vorgeben möchte.

    Über die Einstellung Startlayout lässt sich die XML-Datei mit dem Vorgabe-Layout verteilen.

    Anschließend aktiviert man die Einstellung Startlayout, die sich ebenfalls unter Benutzerkonfiguration => Richtlinien => Administrative Vorlagen => Startmenü und Taskleiste befindet. Dort gibt man den Pfad zur exportierten XML-Datei an, am besten im UNC-Format zu einer Netzwerk­freigabe.

    Alternativ kann man sie im neuen Imaging and Configuration Designer (ICD) in ein Bereitstellungs­paket übernehmen und dieses anschließend auf den Zielrechnern ausführen. Im ICD erfolgt die Konfi­guration unter Laufzeit­einstellungen => Start => StartLayout.

    Festlegen des Start-Layouts im Imaging and Configuration Designer.

    Die vom ICD erzeugte .ppkg-Datei wendet man typischer­weise nur einmal an, etwa um die OEM-Installation von Windows 10 auf einem neuen PC zu modifizieren.

    Egal für welche Methode man sich entscheidet, die Vorgabe eines Kachel-Layouts wird dazu führen, dass die Benutzer keine neue Apps hinzufügen, bestehende weder verschieben noch entfernen können. Eine solche hermetische Umgebung ist jedoch häufig unerwünscht.

    Layout nur teilweise erzwingen

    Aus diesem Grund erlaubt Windows 10 seit der Version 1511 die Vorgabe eines Start-Layouts, bei dem die vom Administrator eingerichteten Kacheln zwar nicht verändert werden können, aber das die Benutzer durch eigene Apps erweitern dürfen.

    Anpassen der XML-Datei für das Start-Layout

    Um dieses Verhalten des Kachel­abschnitts zu erreichen, muss man die exportierte XML-Datei anpassen, indem man das Element <DefaultLayoutOverride> um das Attribut Layout­Customization­RestrictionType mit dem Wert "OnlySpecifiedGroups" ergänzt:

    <DefaultLayoutOverride Layout­CustomizationRestrictionType = "OnlySpecifiedGroups">

    Nach Anwendung dieser Konfiguration auf Windows 10 erkennt man anhand des Vorhängeschloss-Symbols, welche Bereiche vorgegeben und damit nicht veränderbar sind. Dagegen lassen sich neue Kacheln uneingeschränkt hinzufügen, anpassen und auch wieder entfernen.

    Teilweise vorgegebenes Start-Layout in Aktion: Neue Kacheln lassen sich anlegen, Vorgaben sind gesperrt.

    Hat der Benutzer vor Anwendung der Gruppen­richtlinie bereits das Start-Layout selbst konfiguriert, dann fügt der Import der XML-Datei nur die vom Administrator vorgegebenen Kacheln hinzu und belässt die vom User hinzugefügten Apps. Dubletten werden dabei ausgeblendet.

    2 Kommentare

    Bild von Simon
    Simon sagt:
    28. Dezember 2017 - 22:52

    Wenn man die Zeile

    DefaultLayoutOverride Layout­CustomizationRestrictionType = "OnlySpecifiedGroups"

    kopiert und in seine XML per Notepad++ oder Windows Editor einfügt, wird daraus ein

    DefaultLayoutOverride Layout-­CustomizationRestrictionType = "OnlySpecifiedGroups"

    , sodass im Anschluss die GPO nicht mehr funktioniert.

    Merkwürdigerweise tritt der Fehler nicht auf, wenn man die Zeile in Word einfügt. :) Muss man nicht verstehen, aber hat mir heute für einige Zeit ein großes Fragezeichen über meinen Kopf beschert, ehe ich es sah.

    Gruß
    Simon

    Bild von Florian
    Florian sagt:
    23. Mai 2018 - 11:11

    Gibt es auch eine Möglichkeit, dass über Start-Layouts vorgegebene Gruppen auch vom Benutzer erweitert werden dürfen?

    Beispiel:
    Über Start-Layouts wird eine Gruppe "Programme" mit Standardprogrammen vorgegeben. Der Benutzer sollte auch seine eigenen Programme zu dieser Gruppe hinzufügen können.