Windows 7 installieren: Disk-Images versus WIM-Archive

    WAIK Setup Thumbnail Für das Deployment von Windows XP nutzten die meisten Administratoren 2 Verfahren: die unbeaufsichtigte Installation mittels Antwortdatei und das Clonen von Referenz-PCs. Letzteres setzte Software von Drittanbietern voraus, weil Microsoft keine derartigen Tools mit dem Betriebssystem bereitstellte.

    Seit Vista hat sich die Situation jedoch grundlegend verändert, weil Microsoft seither dem Imaging den Vorzug gegenüber dem unbeaufsichtigten Setup gibt. Allerdings beschreitet die Firma mit den WIM-Archiven einen anderen Weg als die altbekannten Cloning-Tools und vermeidet damit einige Nachteile des bei XP verbreiteten Deployments.

    Da die meisten Unternehmen von XP auf Windows 7 umstellen, liegt es nahe, die im Haus vorhandenen und bewährten Deployment-Tools auch für die Verteilung des neuen Betriebssystems zu verwenden. Bevor man jedoch Werkzeuge von Drittanbietern einsetzt, empfiehlt es sich gerade für kleinere und mittlere Firmen, einen Blick auf die kostenlosen Tools von Microsoft zu werfen. Das Windows AIK und das darauf aufbauende Microsoft Deployment Toolkit 2010 sind so leistungsfähig, dass die Lizenzkosten für alternative Programme in vielen Fällen kaum zu rechtfertigen sind.

    Kopieren Sektor für Sektor versus Dateiarchiv

    Wenn die Anschaffung von Deployment-Tools anderer Anbieter dennoch auf der Tagesordnung steht, dann sollte ein Auswahlkriterium sein, ob sie das mit Vista eingeführte Imaging auf Basis von WIM-Archiven unterstützen. Bei den Windows Images handelt es sich um ein Format, das die Dateien des Betriebssystems und von Anwendungen in komprimierter Form enthält. Ein solches Archiv speichert jede Datei nur einmal ("Single Instance Storage") und kann mehrere Systemabbilder enthalten. Dagegen erstellen Cloning-Tools in der Regel ein Image, indem sie Sektor für Sektor der Systeminstallation kopieren.

    Auch wenn moderne Tools für das Disk-Imaging wie etwa die Symantec Ghost Solution Suite mittlerweile Möglichkeiten bieten, die inhärenten Nachteile des Clonings auszugleichen (etwa bestimmte Dateien des Zielrechners vor dem Überschreiben zu schützen), so bleiben dennoch im Wesentlichen einige Nachteile im Vergleich zum WIM-basierten Deployment.

    Allerdings bietet das Disk-Cloning den Vorteil, dass ein Image notfalls auch auf eine umformatierte Festplatte aufgespielt werden kann, während man sich bei WIM-Archiven um die korrekte Partitionierung und Formatierung vorher selbst kümmern muss.

    Zahl der Systemabbilder

    Das Cloning von Laufwerken und Partitionen setzt voraus, dass alle beteiligten PCs über eine weitgehend gleiche Hardware verfügen. Deshalb versuchen viele Firmen, eine möglichst homogene Client-Umgebung zu bewahren, auch wenn dies oft höhere Anschaffungskosten und veraltete PC-Technik bedeutet.

    Wenn man zahlreiche System-Images vorhalten muss, dann zeigen sich die größten Nachteile nicht unbedingt während der Migrationsphase, sondern erst danach, wenn sie laufend aktualisiert und gewartet werden müssen. Eigene Images für jeden Computer-Typ verbrauchen zudem erheblichen Speicherplatz.

    Fortgeschrittene Tools wie Ghost erlauben zwar das dynamische Hinzufügen von Treibern aus einer zentralen Datenbank, aber dennoch erfordern sie zumindest ein separates Abbild pro Hardware Abstraction Layer (HAL).

    Der Wegfall alter Hardware entschärft jedoch dieses Problem, weil die allermeisten neueren PCs entweder die Uni- oder Multiprozessor-Version der ACPI-HAL verwenden. WIM-basierte Images dagegen sind gänzlich unabhängig von der HAL, allerdings benötigt man noch verschiedene Abbilder für jede Architektur (x86 versus x64).

    Pflege und Patching von Images

    Das Deployment des Betriebssystem endet nicht mit der Migration auf eine neue Windows-Version, sondern steht immer dann an, wenn ein vorhandener Rechner neu installiert wird oder weitere PCs angeschafft werden. Daher sollten die Systemabbilder stets auf dem neusten Stand sein, also zumindest alle wichtigen Fixes oder Services Packs enthalten.

    Dabei stellt sich die Frage, welchen Aufwand Disk-Images im Vergleich zu WIM-Archiven verursachen. Im schlimmsten Fall ist es notwendig, alle Referenzinstallationen zu booten, die Patches einzuspielen und sie anschließend erneut Sektor für Sektor zu erfassen. WIM-Archive lassen sich dagegen offline mit Hilfe von DISM aktualisieren, so dass nicht einmal ein PC mit der Musterinstallation gestartet werden muss.

    Ein Problem stellt dabei die Verallgemeinerung von Images mit Hilfe von sysprep dar. Aktivierte Installationen von Windows dürfen nämlich maximal 3-mal zurückgesetzt werden. Wenn ein Cloning-Tool das Offline-Servicing eines Images nicht zulässt, dann muss es vor und nach der Ausführung von sysprep gespeichert werden, damit für das nächste Update eine nicht verallgemeinerte Version zur Verfügung steht.

    Nicht-destruktive Installation, Erhaltung der Benutzerdaten

    Ein wesentliches Markmal von WIM-Archiven, für deren Installation ImageX zuständig ist, besteht darin, dass es nur Dateien schreibt anstatt Sektor für Sektor zu kopieren. Daher bleiben vorhandene Daten auf dem Zielrechner erhalten, während Cloning-Tools das Image vollständig über die bestehende Partition bügeln. Symantec Ghost bietet eine Lösung für dieses Probleme, indem es vorher definierte Dateien und Verzeichnisse in eine virtuelle Partition wegschreibt und nach dem Duplizieren des Laufwerks wiederherstellt.

    Von besonderer Bedeutung ist dieser Unterschied zwischen destruktiver und nicht-destruktiver Installation bei der Übernahme von Benutzerprofilen. Bei einem Refresh-Szenario, also dem Update eines vorhandenen PCs, kann Microsofts User State Migration Tool mit Hilfe der Hardlink-Migration die Daten direkt übernehmen. Bei einem Disk-Cloning dagegen ist das Zwischenlagern auf einem anderen Laufwerk unumgänglich, was bei umfangreichen Benutzerprofilen lange dauern kann.

    Dieses Problem lässt sich entschärfen, indem die Benutzerprofile nicht lokal gespeichert, sondern durch Ordnerumleitung oder Roaming Profiles auf den Server ausgelagert werden. Allerdings kommen diese Techniken der User State Virtualization in gemischten Umgebungen, wie sie während der Migration auf eine neue Windows-Version auftreten, schlecht zurecht. Besser eignen sich hier Tools für das Management von Benutzerprofilen von Drittanbietern.

    3 Kommentare

    Bild von Peter
    Peter sagt:
    7. Januar 2011 - 23:10

    Und was ist die Konsequenz aus dem Artikel? Gibt es eine Abwägung, die aus der Sicht des Autors zu einer Empfehlung kommt?

    Das fehlt mir irgendwie hier und sieht nur nach einer losen Auflistung von Vor- und Nachteilen auf.

    Bild von Wolfgang Sommergut
    8. Januar 2011 - 18:19

    Eine generelle Empfehlung lässt sich nicht so einfach aussprechen, die Entscheidung hängt von der jeweiligen Umgebung ab.

    Wenn man etwa eine neuere Version von Ghost bereits einsetzt, relativ wenige Images pflegen muss, weil die Hardware weitgehend homogen ist, und nur eine Sprachversion benötigt, dann dürfte man das Tool nicht so schnell über Bord werfen. In diesem Fall muss man sich noch überlegen, wie man die Benutzerprofile migriert. Setzt man dafür eine Software für das zentrale Management von Benutzerprofilen ein (etwa Immidio), dann hat man dieses Thema auch vom Hals, egal welches Verfahren man wählt. Bleibt noch das Image-Management: Wenn die Zahl der Images nicht zu groß ist und PCs nur relativ selten neu installiert werden müssen, dann ist auch das kein entscheidendes Argument gegen das Cloning.

    Wenn sich aber schon beim XP-Deployment gezeigt hat, dass Sektor-für-Sektor-Cloning mit großem Aufwand verbunden ist, dann ist der Umstieg auf Windows 7 ein guter Anlass, neue Wege zu beschreiten.

    Das Gleiche gilt, wenn man anlässlich des Umstiegs auf Windows 7 neue Tools für OS Deployment und Software-Distribution anschaffen möchte. In diesem Fall ist m.E. ein Kaufkriterium, ob diese für die Verteilung von Windows auch das WIM-Format unterstützen.

    Schließlich spielt es noch eine Rolle, welche Image-Strategie verfolgt wird. Thick Images, die neben Windows alle Anwendungen enthalten, sind naturgemäß aufwändiger zu warten als Thin Images. Allerdings schwindet hier der Vorteil des File-basierten Ansatzes, weil das Offline-Update von Programmen nicht möglich ist.

    Bild von Peter
    Peter sagt:
    9. Januar 2011 - 9:59

    Diese Übersicht ist genau das, was mir am Ende des Artikels noch gefehlt hat! :-)