Windows 8.1: Beginn einer neuen Release-Politik?

    Windows 8.1Windows 8.1 soll im zweiten Halbjahr 2013 auf den Markt kommen und wird für Anwender von Windows 8 kostenlos sein. Über die neuen Features sickerten nur einige Informationen durch. (Update: siehe unsere Übersicht über die neuen Funktionen). Weniger Beachtung findet, dass Windows 8.1 eine neue Release-Politik einleitet.

    Seit vor einigen Wochen Builds von Windows 8.1 an die Öffentlichkeit gelangten, drehen sich die Spekulationen vor allem darum, welche umstrittenen Punkte des Windows-8-Designs Microsoft zurücknehmen werde. Dazu zählen vor allem die Abschaffung des Startmenüs und das alternativlose Booten des Rechners in die neue Kacheloberfläche.

    Restaurierung des Start-Buttons als Geste an die User

    Der hybride Charakter von Windows 8 mit seinen zwei Oberflächen sowie seine geringe Attraktivität für Desktop-Nutzer werden immer wieder als Grund für die schlechten Verkaufszahlen genannt, die Microsoft jedoch bestreitet. An der grundsätzlichen Charakteristik des Systems wird die Version 8.1 nichts ändern, und die kolportierte Wiedereinführung des Start-Buttons ist vor allem eine Geste an die Kunden.

    Wer sich nämlich an der Abwesenheit dieses vertrauten Bedienelements störte, konnte dieses ohnehin schon mit verschiedenen Freeware-Tools nachrüsten. Das Gleiche gilt für das direkte Booten in den herkömmlichen Desktop.

    Windows 8.1 nur ein Service Pack 1?

    Betrachtet man das geplante Datum für die Veröffentlichung von Windows 8.1, das rund ein Jahr nach der Fertigstellung von Windows 8 liegt, dann war dies bisher der typische Zeitraum für das Release des SP1. Dieses beschränkte sich auch unter Windows 7 nicht auf bloße Fehlerkorrekturen, sondern brachte mit RemoteFX auch ein neues Feature. Die für Windows 8 erwarteten Änderungen ließen sich also auch über ein Service Pack ausliefern.

    Warum veröffentlicht Microsoft dann aber das erste Mal seit Windows 3.1 ein Minor Release seines Betriebssystems? Die Antwort auf diese Frage könnte sich in diesem Blog-Post finden, wo zwischen viel leerem Marketing-Blabla folgende Aussage vergraben ist:

    Tami reiterated our goal of delivering continual updates to create a richer experience for Windows customers.

    Anpassung an die Release-Zyklen von Mobil-Systemen

    Angesichts der Release-Zyklen von Android, von dem pro Jahr mindestens zwei Upgrades erscheinen, und einer ähnlichen Politik von Apple mit iOS, kann Microsoft nicht bei seinen 3-Jahres-Intervallen aus der Desktop-Welt bleiben. Bei mobilen Geräten ist Windows in der Rolle des Nachzüglers und muss mit der Innovationsgeschwindigkeit in diesem Markt Schritt halten, während es beim traditionellen Desktop kaum Wettbewerb und relativ wenig Fortschritt gibt.

    Zu den wenigen Desktop-Anwendungen, die noch häufig aktualisiert werden, zählen Web-Browser, wo Google und Mozilla laufend neue Versionen unter das Volk bringen. Aufgrund der Kopplung des Internet Explorer mit dem Betriebssystem gerät Microsoft hier ebenfalls ins Hintertreffen. Ein häufigeres Windows-Update könnte auch den IE auf Trab bringen. Angeblich soll Windows 8.1 bereits den Internet Explorer 11 enthalten.

    Während sich eine kürzere Abfolge von Releases bei Windows RT ähnlich bewältigen ließe wie bei Android oder iOS, sieht die Sache bei Windows 8.1 anders aus. Aufgrund seiner unauflöslichen Verbindung von Desktop- und Touch-System würden häufige Upgrades auch Desktop-User unter Zugzwang setzen. Aufgrund des hohen Aufwands für eine Desktop-Migration in Unternehmen dürfte ein jährliches Update von Windows dort auf wenig Gegenliebe stoßen.

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