Windows auf ARM-Chips: die Folgen für Server und mobile Geräte

    Steve Ballmers Keynote auf der CES 2011Die Keynote von Steve Ballmer auf der diesjährigen CES wurde mangels größerer Ankündigungen allgemein als enttäuschend empfunden. Selbst die wichtigste Neuheit, nämlich dass Windows 8 auf System-on-a-Chip-Architekturen (SOCs), darunter auch ARM-Prozessoren portiert wird, gilt als keine große Sensation. Dennoch hat gerade diese Entscheidung weitreichende Folgen für Microsofts Betriebssystem-Strategie.

    Der relativ geringe Eindruck, den die Ankündigung der ARM-Portierung hinterlassen hat, mag daran liegen, dass bereits NT, der Vorfahre des heutigen Windows, auf mehreren Prozessoren lief, darunter DEC Alpha und PowerPC. Die nun geplante Portierung unterschiedet sich von den damaligen dadurch, dass Microsoft nicht RISC-Systeme unterstützen möchte, die leistungsfähiger sind als x86-CPUs. Vielmehr sind die neuen Plattformen hoch integrierte und Strom sparende Chips, die sich für Geräteklassen unterhalb von PCs eignen. Dazu zählen alle möglichen mobile Geräte wie Tablets, aber auch Thin Clients.

    Portierung verzögert Microsofts Tablet-Pläne um Jahre

    Microsoft hat somit die weitreichende Entscheidung getroffen, das alt bekannte und relativ schwergewichtige Desktop-Windows für die zahlreichen neuen Geräte zu positionieren. Dagegen kommt Windows CE, das ursprünglich für derartige Clients entwickelt wurde und bereits auf ARM-CPUs läuft, nicht zum Zug. Für den Nutzen, den sich Microsoft von einem vollen Windows auf ARM-betriebenen Tablets und ähnlichen Geräten verspricht, nimmt es eine Verzögerung von 2 bis 3 Jahren in Kauf. So lange soll die Portierung des Systems dauern.

    Die wichtigsten Argumente für diese Strategie sind die Verfügbarkeit der zahlreichen Windows-Applikationen auch auf neuen Gerätetypen, sobald ihre Programmierer diese für die alternativen Architekturen übersetzen. Der Aufwand dafür sollte sich in Grenzen halten und sich im günstigen Fall auf ein Re-Kompilieren beschränken. Außerdem muss Microsoft zukünftig nur mehr ein System weiterentwickeln, so wie dies auch Apple tut. Sowohl Mac-Desktops als auch iPhones beruhen auf der gleichen Codebasis. Entsprechend spekulieren Beobachter schon, ob auch das Betriebssystem des nicht übermäßig erfolgreichen Windows Phone 7 vor dem Aus steht.

    Nutzen von Desktop-Anwendungen auf mobilen Geräten unklar

    Die Entscheidung für Windows als einheitliches System birgt aber auch einige Risiken. Dazu zählt die erwähnte zeitliche Verzögerung, während der nur Intel-Systeme zur Verfügung stehen, die deutlich mehr Strom verbrauchen als ARM-Prozessoren. Apple kann in dieser Zeit seinen Vorsprung weiter ausbauen. Hinzu kommen in Kürze Geräte auf Basis von Android, die ebenfalls gute Erfolgsaussichten haben.

    Schließlich muss Microsoft nach seinem Fehlschlag mit Tablet-PCs beweisen, dass es ein Desktop-System auf die Anforderungen und den Charakter von kleineren Geräten ohne Tastatur anpassen kann. Und dann muss sich erst zeigen, dass die Verfügbarkeit von Office und zahlreichen anderen Desktop-Anwendungen auf Clients mit einem anderen Formfaktor tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil ist. Am ehesten trifft dies auf die Nutzung in Unternehmen zu. Aber auch Nicht-Windows-Geräte bleiben dort von solchen Applikationen nicht ausgeschlossen, wenn sie diese über einen virtuellen Desktop oder einen Terminal-Server beziehen.

    Kommt Windows Server für ARM?

    Neben der Entscheidung für ein Windows für alle möglichen Typen von Clients nährt die ARM-Ankündigung auch Spekulationen über die Folgen auf dem Server. Da Client und Server auf dem gleichen Systemkern beruhen, ist es keine technische Frage, ob es einen Windows Server für ARM geben wird. Bisher hat sich Microsoft dazu noch nicht verbindlich geäußert.

    Gegen eine Portierung des Servers spricht auf den ersten Blick, dass ARM-CPUs dafür zu leistungsschwach sind. Forrester-Analyst Richard Fichera rechnet aber vor, dass die kleineren Prozessoren mit wesentlich geringerer Wärmeentwicklung wesentlich dichter gepackt werden können. Außerdem verringert sich gemessen an der Leistung nicht nur der Stromverbrauch der Prozessoren, sondern auch all jener Komponenten, die zur Kühlung notwendig sind.

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