Windows Server 2012 Essentials: Daten der PCs sichern und wiederherstellen

    Erfolgreiches Bare Metal RestoreBereits in Small Business Server und Home Server war eines der beliebtesten Features, dass sie alle angeschlossenen Clients sichern und wiederherstellen konnten. Windows Server 2012 Essentials ist der Nachfolger dieser beiden Produktlinien und entwickelt ihre Backup-Funktion weiter. Sie erlaubt sowohl die Wiederherstellung einzelner Dateien als auch des gesamten Systems, wenn dieses etwa durch einen Hardware-Defekt ausgefallen ist.

    In den meisten größeren Unternehmen ist es nicht üblich, die Clients zu sichern. Daten werden dort nach Möglichkeit zentral vorgehalten, beispielsweise durch Ordnerumleitung oder Roaming Profiles. Fällt ein PC aufgrund eines Defekts aus, spielt der IT-Support auf das Ersatzgerät ein Standard-Image auf und die benutzerspezifischen Daten sowie Einstellungen kommen dann wieder vom Server.

    Datensicherung für kleine IT-Umgebungen

    In kleinen Firmen gibt es häufig keine IT-Abteilung, die eine Helpdesk-Anforderung dieser Art bewältigen könnte. Zuständig sind dort oft fortgeschrittene Benutzer aus den Fachabteilungen. An sie wendet sich Microsoft mit dem Windows Server 2012 Essentials generell und besonders mit der Möglichkeit der Datensicherung.

    Das zentrale Backup der Clients ist ein exklusives Feature der Essentials-Variante, weder die Standard noch die Datacenter Edition von Windows Server 2012 bieten sie an. Eine wichtige Voraussetzung für die Implementierung eines solchen Features bestand darin, dass der kleine Server auf maximal 25 Benutzer beschränkt ist und sich daher die Datenvolumina noch ganz gut durch ein zentrales Backup bewältigen lassen. Zur Reduktion des Platzverbrauchs dedupliziert Microsoft die gespeicherten Daten, so dass in einem homogenen Client-Umfeld nur die Dateien des ersten Clients vollständig gesichert werden müssen.

    Basiskonfiguration bei Verbinden von PCs mit Server

    Die Sicherung der Clients ist ein so wesentlicher Aspekt bei Windows Server 2012 Essentials, dass schon beim Verbinden eines PCs mit dem Server das Backup konfiguriert wird. Diese Einstellungen lassen sich nachträglich über das Dashboard verändern. Dieses bietet dem Administrator einen zentralen Zugang zu den wichtigsten Verwaltungsaufgaben.

    Zu der allgemeinen Konfiguration, die für alle Clients gilt, zählen der Zeitplan für die Sicherung sowie die Aufbewahrungsfristen für die Backups. Zusätzlich kann man über die Option Sicherung für diesen Computer anpassen festlegen, ob er überhaupt gesichert werden soll oder ob man bestimmte Laufwerke und Ordner ein- bzw. ausschließen möchte.

    Manuelle Backups durch die Benutzer

    Neben den zeitgesteuerten Backups, die vom Systemverwalter über das Dashboard konfiguriert werden, steht es den Endbenutzern frei, in Eigenregie über das Launchpad zusätzlich manuelle Sicherungen anzustoßen. Diese gehen in der Regel schnell über die Bühne, weil nur veränderte Dateien übertragen werden.

    Die Benutzer können über das Launchpad jederzeit ein manuelles Backup veranlassen.

    Integration mit File History von Windows 8

    Neben dem Backup des gesamten Systems, das sich hinter den Kulissen gemäß des implementierten Schemas als volle oder inkrementelle Sicherung vollzieht, bietet Windows Server 2012 Essentials für Clients unter Windows 8 einen weiteren Schutz.

    Bei der Verbindung der PCs mit dem Server konfiguriert es den Dateiversionsverlauf (Übersetzung von File History), so dass Kopien von veränderten Dateien auf dem Server abgelegt werden. Dieses Feature ist der Nachfolger des Backup-Programms von Windows 7 und orientiert sich stärker an Apples Time Machine. Es bietet dem Benutzer die Möglichkeit, die Versionen einer Datei beliebig zurückzuverfolgen.

    Beim Verbinden mit Windows Server 2012 Essentials wird die File History von Windows 8 automatisch konfiguriert.

    Der Systemverwalter kann die Sicherung im Rahmen des Dateiversionsverlaufs ebenfalls zentral über das Dashboard konfigurieren. Zu den Einstellungen gehören die Speicherintervalle, die Ordner innerhalb der Benutzerprofile, für die File History aktiv sein soll, sowie die Aufbewahrungsfrist für die Dateien. Das Feature lässt sich hier auch ganz abschalten.

    Drei Optionen zur Wiederherstellung

    Die Wiederherstellung der Daten richtet sich erwartungsgemäß nach der Methode, mit der sie gesichert wurde, und natürlich nach dem Ereignis, das eine Restaurierung von Daten erforderlich macht.

    Wenn ein Benutzer eine oder mehrere Dateien versehentlich überschrieben hat, dann besteht unter Windows 8 die einfachste Möglichkeit darin, über den Dateiversionsverlauf (Applet in der Systemsteuerung) die korrekten Dateiversionen vom Server zurückzuholen. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass man damit wahrscheinlich eine aktuellere Version erhält als aus dem regulären System-Backup, weil die Sicherung in viel kürzeren Intervallen erfolgt. Außerdem kann der Benutzer sich hier selbst bedienen.

    Restore einzelner Dateien aus dem Backup

    Die zweite Option zur Restaurierung einzelner Dateien und Ordner besteht darin, diese aus dem normalen Backup zu extrahieren, und zwar wieder über das Dashboard (Menüpunkt Dateien oder Ordner für diesen Computer wiederherstellen).

    In den meisten Umgebungen werden gewöhnliche Benutzer keine administrativen Rechte erhalten, so dass man für diese Art der Wiederherstellung den Systemverwalter bemühen muss. Die Aktualität der wiederherstellbaren Dateien kann man hier durch manuelle Backups zwischen den regulären Sicherungen erhöhen.

    Bare Metal Restore von Client-PCs

    Schließlich ist das Backup-Feature von Windows Server 2012 Essentials in der Lage, Clients komplett zu restaurieren, typischerweise nach einem Hardware-Defekt. Für einen solchen Bare Metal Restore erstellt der Administrator einen boot-fähigen USB-Stick, der nach dem Start des darauf enthaltenen Windows PE komplette Volumes wiederherstellt. Da WinPE keine Unterstützung für WLANs bietet, muss der Vorgang über ein LAN erfolgen.

    Die Option zum Einrichten eines derartigen USB-Datenträgers findet sich im Dashboard unter Geräte => Einstellungen für Computersicherung und Dateiversionsverlauf anpassen => Registerkarte Tools => Computerwiederherstellung. Dort führt man die Funktion Schlüssel erstellen aus (der Sinn dieser Bezeichnung ist unergründlich).

    Boot-fähigen USB-Stick am Server erstellen

    Wie fast alle administrativen Aufgaben ist auch dieser Vorgang Wizard-geführt und damit einfach zu absolvieren. Als Stolperstein könnte sich aber erweisen, dass der USB-Stick am Server angesteckt werden muss, auch wenn man das Dashboard auf einem Client ausführt. Dieses läuft nämlich grundsätzlich auf dem Server und wird nur über eine Remotedesktop-Session auf den PCs eingeblendet.

    Der boot-fähige USB-Stick zur Wiederherstellung von Clients muss am Server erstellt werden.

    Ein weiteres Problem tut sich auf, wenn man sich entschlossen hat, Windows Server 2012 Essentials in einer virtuellen Maschine laufen zu lassen. Hyper-V erlaubt den Gästen nämlich keinen Zugriff auf die meisten USB-Geräte, so dass im Wizard kein Zielmedium zu Auswahl steht. Hier können nur Tools von Drittanbietern helfen, die den USB-Stick an die VM durchreichen.

    Wizard-geführte Wiederherstellung

    Startet man einen PC von diesem Wiederherstellungsmedium, dann kann man sich bei glattem Verlauf der Prozedur am Server anmelden und in einem Wizard auswählen, welchen Client man wiederherstellen möchte, welches Backup man dafür nimmt, ob man sich dabei auf bestimmte Volumes beschränken oder alles zurückspielen will, und wo die gesicherten Dateien hingeschrieben werden sollen.

    Nach der Auswahl des Clients, den man wiederherstellen möchte, muss man sich für eines der vorhandenen Backups entscheiden.

    Bei einer vollständigen Restaurierung eines PCs übernimmt das Programm auch die Partitionierung und Formatierung der lokalen Platten. Je nach Datenmenge muss man anschließend nur eine gewisse Zeit die Fortschrittsanzeige beobachten und hat danach wieder einen funktionstüchtigen Rechner.

    Kein Support für RAID

    Die im Normalfall unkomplizierte Wiederherstellung eines PCs kann indes unter bestimmten Bedingungen zusätzlichen Aufwand verursachen. So kann es sein, dass der Boot-Stick nicht alle Treiber für Festplatten-Controller oder NICs enthält, so dass man diese über eine eigene Option nachladen muss.

    Problematisch ist zudem alles, was für die Software offenbar als exotisch gilt: das sind dynamische Datenträger und RAID, sie werden gar nicht unterstützt. Zudem ist die Wiederherstellung von GPT-Partitionen auf einem BIOS-Rechner genauso wenig möglich wie jene von MBR-Partitionen auf UEFI-Systemen. In beiden Fällen kann der PC nach dem Restore nicht starten.

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