Ungewisse Zukunft für Xen: Linux-Distributoren setzen auf KVM

    ChamäleonMit dem Schwenk von Red Hat zu KVM steht Xen nicht nur den großen kommerziellen Hypervisor-Anbietern VMware und Microsoft gegenüber, sondern es hat nun auch Konkurrenz im Open-Source-Lager. Auch wenn immer wieder Zweifel auftauchen, ob Citrix weiter in Xen investieren will, gibt es gute Gründe, das zu tun.

    Die Aussichten für Citrix XenServer drohen sich zu verschlechtern, weil Novell nun auch auf den KVM-Zug aufspringt. Holger Dyroff, Vice President Novell SUSE LINUX Products, präsentierte seine Firma noch kürzlich gegenüber WindowsPro als loyalen Unterstützer von Xen, das weiter ausgereift sei als KVM. Nun gibt Novell die abwartende Position bei KVM offenbar auf und beteiligt sich mit dem Projekt AlacrityVM an dessen Entwicklung.

    KVM nur für reine Linux-Shops?

    Der CTO von Citrix und Mitbegründer von XenSource, Simon Crosby, versucht daher in einem Blog-Beitrag die Position von Xen zu bestimmen. Zum einen interpretiert er die neuen KVM-Aktivitäten von Novell nicht als Abschied von Xen, weil es eine sinnvolle Virtualisierungsstrategie sei, mehrgleisig zu fahren. Crosby versucht die zukünftige Bedeutung von Xen zu untermauern, indem er KVM als adäquate Lösung für reine Linux-Umgebungen einstuft.

    Zudem sei die Tendenz der Linux-Distributoren in Richtung KVM vor allem durch Bequemlichkeit motiviert, weil der Integrations- und Testaufwand bei einem Kernelmodul wesentlich geringer sei als bei einem separaten Produkt wie Xen. Wer einen Hypervisor benötige, der unabhängig von bestimmten Betriebssystemen sei, würde indes mit Xen besser fahren.

    Übereinstimmungen mit der VMware-Position

    Ironischerweise vertritt Crosby gegenüber KVM damit die gleiche Position wie der Marktführer und Erzrivale VMware gegenüber Hyper-V, der Microsofts langfristige Unterstützung für andere Gäste außer Windows immer wieder in Frage stellt. Die Einstufung von KVM als Type-2-Hypervisor ist ein Rückfall in alte Marketing-Sticheleien, die wenig über die technischen Qualitäten der Software aussagt.

    Die affirmative Haltung gegenüber Novells "Chamäleon-Strategie", die darin besteht, sich an jede Umgebung anzupassen, verrät, wo Citrix seine Chancen mit Xen sieht. Besonders anpassungsfähig ist Citrix gegenüber dem Partner Microsoft. Crosby nennt es als einen Vorzug von Xen, dass es Hyper-V-VMs unmodifiziert ausführen kann. Die zusätzliche Integration auf Tools-Ebene soll es erlauben, dass der jeweils andere Hypervisor mitverwaltet werden kann.

    Heterogene Umgebungen als Chance für Citrix

    Auch wenn die Konsolidierung aller virtualisierten Systeme auf einer Plattform technisch relativ leicht fällt, weil sich ein Gastsystem gegenüber dem Hypervisor wie eine Black Box verhält, zählt Crosby offenbar wie Novell auf gemischte virtuelle Umgebungen. Trotz der administrativen Herausforderungen, die ein Nebeneinander von weitgehend inkompatiblen Systemen bedeuten, gibt es auch Gründe, für bestimmte Zwecke den dafür am besten geeigneten Hypervisor einzusetzen.

    Im Fall von Xen bzw. XenServer wäre das natürlich die Ausführung von XenApp und XenDesktop. Zwar unterstützen beide Lösungen auch Hyper-V und ESX, aber aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit ist es für Citrix essentiell, den ganzen Stack (mit Ausnahme des Betriebssystems) anzubieten. Wer beispielsweise XenDesktop auf Hyper-V ausführen möchte, braucht für das Management zusätzlich System Center Virtual Machine Manager (SCVMM), während XenServer die benötigten Werkzeuge im Wesentlichen mitbringt.

    Das interessante Interview von Brian Madden mit VMware-CTO Scott Davis zeigt zudem, wie VMware seine starke Marktposition bei der Server-Virtualisierung nutzt, um seine VDI-Lösung als integrierte Komponente zu bewerben und damit vertriebsseitig einen wirksamen Hebel ansetzen kann. Nach inoffiziellen Zahlen laufen die meisten XenDesktop-Installationen bis dato auf Basis von VMware, aber es ist ein schwieriges Terrain für Citrix, so dass es auf die erfolgreiche Verbreitung des eigenen Hypervisors setzt. Daher ist nicht nur Xen, sondern mittlerweile auch der ehemals kommerzielle XenServer als Open Source verfügbar.

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