Zitat der Woche: "Die PC-Ära ist zu Ende"

    SprechblaseJa, der PC wurde schon oft totgesagt und scheint gerade deshalb unsterblich. Aber selbst den größten Fans von I'm a PC dämmert ange­sichts immer neuer Client-Alter­nativen, dass die Konkurrenz die beherrschende Position des Desktop-Computers zunehmend aushöhlt. Chetan Venkatesh, CTO von Atlantis Computing, freilich sieht nicht im iPad, in Google Chrome OS und in Smartphones die größte Bedrohung für den PC, sondern in den neuen Möglichkeiten der Rechenzentren.

    Sein Kommentar bei Brian Madden fasst die Technologietrends zusammen, die die Balance zugunsten des Backends verschieben:

    Zwei Fragen, die ich mir stelle:
    1. Wenn der Anwender bezüglich Performance und Benutzererlebnis keinen Unterschied zwischen VDI und einem lokalen Desktop merkt, was wird ihm die IT dann geben wollen?
    2. Wenn virtuelle Maschinen (VMs) reine Ausführungs-Container sind und ihr ganzer Inhalt (OS, Anwendungen, Nutzerdaten) zentral verwaltet wird - wo würde man die VM ablaufen lassen und warum?

    Die Antwort ist für mich in beiden Fällen offensichtlich und sie heißt im Rechenzentrum. Hier die Gründe:

    1. Das Rack ist der neue Computer, es ist die neue Basis für Computing (Cisco UCS ist ein deutliches Zeichen dafür)
    2. 10GBit-Ethernet ist der neue Bus, der Recheneinheit, Speicher und Storage verbindet
    3. Der Hypervisor ist der Kernel und VMs sind einfach nur Threads bzw. Prozesse, die über Racks verteilt werden
    4. Memory Page Sharing, Speicher-Deduplizierung, kontinuierliche Datensicherung (CDP), Datenspiegelung, Disaster Recovery sind die neuen primären Subsysteme des Datacenter-OS. Viele davon wären astronomisch teuer, wollte man sie auf dem PC realisieren.

    Der PC, Client-Hypervisor vom Typ 1 oder Typ 2 können einfach nicht mit der beeindruckenden Leistung, den Kosten, der Effizienz und der Eleganz dieses neuen Modells mithalten. Der PC-Ära ist zu Ende, wir müssen ihre Architektur ad acta legen und aufhören, sie mit Typ-1/2-Virtualisierung zu einem Frankenstein-Monster zusammenzufügen. Dann können wir voranschreiten und im Rechenzentrum mit Virtualisierung wirklich innovative Dinge für Windows, Desktops und Benutzer tun.

    2 Kommentare

    15. Februar 2010 - 9:56

    Das Problem bei dem ersten Wenn-Dann-Satz ist, dass der Wenn-Teil bis auf weiteres wohl falsch bleiben wird. Beim zweiten Satz stellt sich die Frage, ob sich räumlich verteilte PCs nicht genauso gut zentral verwalten lassen. Das gute an PCs ist, dass sie astronomisch billig sind und dass man daher keine komplizierte und teure Technologie benötigt, um auf ein günstiges Performance-Kosten-Verhältnis zu kommen. Das war ja der Grund für den Siegeszug des PCs und für der Fall der Großrechner. Wer also dafür argumentiert, dass die PC-Ära zu Ende ist, müsste aufzeigen, inwiefern sich die Situation geändert hat.

    Bild von Wolfgang Sommergut
    15. Februar 2010 - 17:38

    >Das Problem bei dem ersten Wenn-Dann-Satz ist, dass der Wenn-Teil >bis auf weiteres wohl falsch bleiben wird.

    Das kann man nicht pauschal für alle User sagen, für viele Anforderungen bietet der PC mit seiner lokalen Programmausführung keine erkennbaren Vorteile. Das betrifft in jedem Fall die "aufgabenorientierten Tätigkeiten", aber VDI kann größere Bereiche abdecken als SBC in der Vergangenheit.